Wölli, der frühere Hosen-Drummer (der jetzt auch als Solokünstler reüssiert!), so geht die Legende, hatte BETONTOD nach deren 2. Platte „entdeckt“ – womit eine der längsten Karrieren des deutschen Punkrocks in die Wege geleitet wurde. 20 Jahre sind nun vergangen, Grund für eine umfassende Bestandsaufnahme in eigener Sache: „Antirockstars“ ist das dazugehörige 5. Studio-Album der Rheinberger – welches denn auch erstmal mit sanften Piano- und ausschweifenden Orchesterklängen beginnt. Das Schwelgen dauert nur eine Minute- dann knallt der gewohnte BETONTOD-Dreck aus den Boxen: Oliver Meisters patentiertes Rüpelorgan skandiert „Gloria“ in altbewährter Manier. Die Gitarren sleazen sich durchs Punkrockfeld, die Drums marschieren fett, Punkrockherz, wat willste mehr? Naja, textmäßig fällt den Jungs jetzt nicht so viel Neues ein, aber das ist erstmal zweitrangig, geht’s hier doch vorrangig um das volle Brett. Feststellen lässt sich aber insgesamt eine persönlichere Herangehensweise, die Songs reflektieren das Erreichte, und sind weniger politisch als noch vor kurzem. „Gasolin“ triumphiert nach fettem Eingangsriff mit einer schönen Gesangs/Gitarrenlinie - könnte so doch tatsächlich aus EXTRABREITS Spätwerk stammen. Überhaupt würde sich der Breite Stefan Kleinkrieg sehr über so manche gelungene extrabreite Bratgitarre freuen! Sehr gut kommt dann der Beziehungssong „Nebel“ - vor allem dank der fantastischen Gastsängerin Yvonne Rüller. Kaum vermeiden lassen sich in diesem Genre Tote Hosen-Referenzen – schließlich haben die Hosen schon in grauer Vorzeit so ziemlich alles abgegrast im melodischen Punkrocksegemt. So auch „Auf eine gute Zeit“ – musikalisch und textlich Hosen ca 1992 reloaded. Why not, war ja auch ne gute Zeit damals. Genau wie die Trademark-Hosen-Schlachtgesänge auf „Keine Popsongs!“ - eine Abrechnung mit Mainstream-Shit und Musikindustrie aus Sicht derjenigen, die trotzdem durchgehalten haben. In „Wenn der Sturm beginnt“ hört sich Meister erst wie Jan Windmeier (Turbostaat) an, bevor wieder ein BETONTOD-typischer Chorus die Regie übernimmt. Das Eingangsriff von „Steh auf“ beschert erstmal ein Metal-deja-vu: sind das nicht die Akkorde von JUDAS PRIESTs „Breaking The Law“? Auch der Mittelteil mit interessanter Leadgitarre zeigt, dass BETONTOD gern mal in Metalgewässern fischen, wie auch in „Blut“. In die Reihe der großen Alk-Hymnen dürfte „König Alkohol“ einen Ehrenplatz bekommen: lange schon nicht mehr so gelacht! Hymne hoch 10! Die letzten Songs behandeln noch einmal das Bandjubiläum – 20 Jahre durchgehalten, wir sind stolz, etc pp. Eine Retro-Hymne weniger hätt’s wohl auch getan, ist ein bisschen viel der Selbstbeweihräucherung. Dennoch: BETONTOD beweisen mit diesem Album, dass sie noch lange nicht auf dem Abstellgleis verrosten wollen, im Gegenteil, sie starten mit dieser fetten Produktion voll durch. Vielleicht gelingt ihnen ja endlich der große Wurf, den sie sich schon längst verdient haben. Dann werden sie aus Versehen noch Rockstars…. Anspieltipps: Nebel, Auf eine gute Zeit. (3/5)
review by martin hannig



