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Im Interview: FIONA

11. Oktober 2011

Das sensationelle Comeback

Wer hätte gedacht, dass urplötzlich FIONA Flanagan, Hard Rock Lady der 80er, in diesem Jahr ihre Fans mit einem Comeback überrascht. „Unbroken“ heißt das neue Album und stellt nunmehr das fünfte Studioalbum dar. Als Little Miss Jackie spielte sie sogar neben Don Johnson in der Kultserie MIAMI VICE, bis sie sich nach dem 92er-Album „Squeeze“ aus der Musik- und Filmszene endgültig zurückzog. Nun ist sie wieder zurück und nach beinahe 20 Jahren gibt es massenhaft Gesprächsstoff für ein exklusives Interview ... und selten habe ich bei einem Telefonat so viel Spaß gehabt wie mit der sympathischen FIONA.

Autona:
Hallo Fiona, welch ein Comeback nach fast 20 Jahren. Ich habe gerade noch in die neue CD „Unbroken“ (VÖ: Oktober) reingehört. Ein großartiges Album!

Fiona: (lachend) Vielen Dank. Das freut mich natürlich zu hören.

Autona:
Das Timing ist irgendwie witzig, denn ich habe vor ca. 4 Wochen ein Interview mit Brad Gillis gehabt und da sind wir auf Dich zu sprechen gekommen ...

Fiona: Wow ... ja, er hat mal die Gitarre auf einem Album eingespielt. Das ist echt lustig! Seitdem haben wir auch komplett den Kontakt verloren. Bei den Albumaufnahmen habe ich von den ganzen Instrumenten wenig mitbekommen, obwohl ich häufig im Studio war. Wenn es so lange gedauert hat, den Drum- und Gitarrensound einzustellen, hab ich mich meistens gelangweilt. Dann bin ich wieder nach Hause gefahren, bis ich endlich mit dem Gesang fertig war.

Autona:
Und wie war das bei den Aufnahmen zu „Unbroken“?

Fiona
: Eigentlich genauso, aber diesmal habe ich eine Ausrede (lacht), denn ich wohne in New Jersey und das Album haben wir in Florida eingespielt. Aber ich hatte da vollstes Vertrauen in meine Band.

Autona:
Wie lange hast Du benötigt?

Fiona:
Ich bin insgesamt drei Mal nach Florida geflogen, um alle Tracks einzusingen. Für einen Song habe ich jeweils etwa einen Tag benötigt.

Autona: Den Geist vom sonnigen Florida spürt man, das Album ist sehr fluffig und verbreitet gute Laune.

Fiona: Das hoffe ich! Als wir die Songs geschrieben haben, waren wir auch sehr gut drauf. Es hat auch viel Spaß gemacht, wieder rockige Songs aufzunehmen. Ich weiß, in meinem Alter müsste man vielleicht lieber Easy Listening-Sachen wie Barbara Streisand aufnehmen, aber das ist schon in Ordnung so (lacht).

Autona: „Badge Of Love“ ist einer meiner Lieblingssong der CD!

Fiona: Wirklich? Bei „Badge Of Love“ habe ich mit Irish-Folk-Elementen herumgespielt und die Idee zum Song geisterte mir schon länger durch den Kopf.

Autona: Ich erinnere mich, dir vor ca. einem Jahr auf Facebook eine Mail geschrieben zu haben, in der ich dich gefragt hatte, wann du endlich wieder ein neues Album aufnimmst .... und nun kommt die Sensation des Jahres. War das vielleicht sogar der Anlass?

Fiona: (lacht) Das ist witzig, dass du das anspricht. Das ist in der Tat ein Anlass gewesen, denn zeitgleich hatte ich ein Gespräch mit Robin Beck und auch sie hat mich darauf angesprochen ... und da hab ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht?! Das Leben ist so kurz, also warum warten ... und hier bin ich (lacht)! Ich war sowieso überrascht, wie viel Zuspruch ich in der letzten Zeit über Facebook bekommen habe. Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Fans an mich erinnern. Ich habe sogar mal ein Bootleg mit meinen „Greatest Hits“ bekommen. Das war echt süß.

Autona: Gibt es schon einen Europavertrieb?

Fiona: Aber sicher, das Album wird in Europa von Cargo vertrieben.

Autona:
Nun ein trauriges Thema. Kürzlich ist Jani Lane (WARRANT) verstorben. Er hat auch einen Song, „Life On The Moon“, für dein „Squeeze“-Album geschrieben ...

Fiona: Ja, das ist sehr tragisch. Als ich es erfahren hatte, war ich tief getroffen. Er war einer der nettesten Typen auf dieser Welt. Ich hatte früher eine starke Beziehung zu Jani und den Jungs von Warrant. Es gab viele Parties, Shows und Jet Ski und so weiter. Ich habe auch einen Gastauftritt auf dem Album „Cherry Pie“ und wir hatten zu dieser Zeit unserer Karriere viel miteinander zu tun. Jani hat damals den Song „Life on the moon“ für seine Freundin geschrieben und ich fand ihn so cool, das ich ihn auf meinem Album haben wollte. Danach haben wir leider uns alle aus den Augen verloren.

 

 

Autona: Du warst mal mit Beau Hill zusammen? Verheiratet?

Fiona: (lacht) Ja, das ist richtig. Kennen gelernt habe ich ihn durch Robin Crosby von RATT in einer Limousine. Echt schräg. Ich liebte den Ratt-Sound der ersten Alben „Out Of The Cellar“ und „Invasion“, die Beau produziert hatte und dann sagte er mir zu, dass er Lust hätte, mein neues Album ... damals „Beyond The Pale“, zu produzieren. Das war für mich eine absolut große Sache. Naja, alles weitere hat sich dann ergeben. Zur Zeit des „Squeeze“-Albums ging die Sache dann wieder auseinander. Das Album hat er auch nicht mehr produziert.

Autona: Da fällt mir ein, dass du auch in einer Folge „Miami Vice“ mitgespielt hast ... Fiona: (lacht) !!! Autona: „Little Miss Jackie“ ... ich erinnere mich noch, als ich die Folge zum ersten Mal im Fernsehen gesehen hab und dachte: „Wow, ist das etwa Fiona?“ Fiona: Das war schon eine großartige Erfahrung. Also, wir haben gerade „Beyond The Pale“ aufgenommen und dann bin ich plötzlich zu einem Casting in Manhatten eingeladen worden ... für MIAMI VICE – da ich mich bei den Instrumentalaufnahmen sowieso gelangweilt hatte, konnte ich da ja hingehen (lacht) ... und plötzlich saß ich auch schon im Flieger nach Florida. Ich wurde tatsächlich engagiert, meine erste Rolle! Autona: Und wie gings’s weiter? Hast du versucht, im Film Fuß zu fassen?Fiona: Es gab da schon Absichten und ich war auch bei diversen Castings, bis ich vom Projekt „Hearts of fire“ engagiert wurde. Zeitgleich bekam ich dann noch weitere Angebote. Da ich vertraglich gebunden war, konnte ich dann an anderen Projekten nicht teilnehmen. Das war für mich natürlich sehr ärgerlich, aber so läuft’s im Leben nun mal.(Plötzlich klingelt das Telefon und Robin Beck ist auf der anderen Leitung ... dann geht’s weiter.)


Autona: Warum hast du dich so '92, '93 aus der Musikszene zurückgezogen.

Fiona:
Da gab es viele Gründe. Ich war einerseits satt, andererseits kam auch die Grungewelle auf und hat den seichten Hard Rock weggefegt. Viele meiner Kollegen waren über den Trendwechsel in der Musik sauer und haderten damit. Mir hat es zu der Zeit eigentlich wenig ausgemacht. Es ist, wie es ist. That’s life. Ich bin darüber auch keineswegs traurig. Im Gegenteil. Ich bin sehr dankbar für die großen Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich war jung, hatte eine Musikkarriere, habe an TV-Produktionen teilgenommen und viele großartige Menschen getroffen. Das war schon eine crazy Zeit!

Autona:
Und was hast du in diesen fast 20 Jahren gemacht.

Fiona: Ich war auf der UCLA und habe im Musikmanagement mit Danny Sugarman (u. a. Doors) zusammengearbeitet. Dann habe ich meinen Mann kennen gelernt, mit dem ich bis heute verheiratet bin. Als dann meine Tochter kann, habe ich aufgehört zu arbeiten. Meine Tochter ist jetzt 12 und dann habe ich noch einen 9-jährigen Sohn. Bei uns ist immer was los und meine Tochter singt den ganzen Tag – da kommt die irische Seele durch (lacht).

Autona
: Wird es jetzt eine Tour zum neuen Album geben?

Fiona: Das habe ich eigentlich vor. Ich bin sicher, dass es eine kleine Europatour und diverse Shows an der Ostküste geben wird. Vielleicht mit HOUSE OF LORDS. Ich hab einen super Draht zu James Christian. Es gibt zurzeit konkret Anfragen aus der Schweiz. Deutschland ist natürlich auch ein sehr interessantes Land. Ich liebe reisen und Europa hat so viel Kultur. Als Mädchen habe ich mich für Science Fiction interessiert, heute liebe ich Kultur und Geschichte.

Autona: Wie klappt das mit der Family?

Fiona: Ach, das wird schon. Mein Mann unterstützt mich da super und wir finden schon eine Lösung!

Autona: Ich hatte kürzlich ein Interview mit Lee Aaron. Sie hat zwischenzeitlich zwei Jazz-Alben aufgenommen ...

Fiona: ... cool ...

Autona:  ... und nun ist sie wieder zurück mit Rockmusik. Sie hat ein großes Festival in Schweden gespielt und war beeindruckt von der Resonanz der Rock- und Metal-Fans. Nun wird es auch bald ein weiteres „Back to the Roots“-Album geben. Also, der markt ist offensichtlich da!

Fiona: Das stimmt. Ich bin auch seht überrascht und beeindruckt von dem Zuspruch für dieses Album. Ich bin sehr gespannt und bin richtig heiß darauf, wieder live zu spielen.

Autona: Das Gespräch war mir eine Ehre (lachend)

Fiona: (lacht)

Autona: Dann hoffe ich mal, dass wir uns in Kürze in Deutschland bei einer Show oder einem Meet & Greet treffen.

Fiona:
Das hoffe ich auch, wird bestimmt lustig!

 

interview by dennis rowehl