CHUCKAMUCK: die jungen Wilden in Roskilde!
Waschechte Berliner Jungs nehmen sich ihre Punk-Vorbilder (TV. PERSONALITIES! THE DAMNED!) und transformieren sie in eine juvenile trash-rock-low-fi-no-fi-Version, um möglichst schnell aus dem Proberaum heraus mit dem 1. Album die Club- und Festival-Bühnen der Nation zu stürmen: das ist die CHUCKAMUCK-Story. „Wild For Adventure“- das ist das Debutalbum, das mit Gassenhauern um sich wirft, als hätte es DIE ÄRZTE nie gegeben. Nur waren DIE ÄRZTE immer schon offensichtlich bemüht, lustig zu sein – während bei CHUCKAMUCK der Humor zwischen den Zeilen steckt, das ganze Konzept – so es denn eins gibt - eher einem dadaistischen Ansatz ähnelt. Der derzeitige Musikzeitschriften-Liebling Andreas Spechtl von JA, PANIK hasst junge deutsche Jungs-Bands - liebt aber CHUCKAMUCK für ihr Songwriting, und hofft gleichzeitig, dass sie nie lernen, ihre Songs richtig zu spielen. Ein Widerspruch? Nicht, wenn man das ganze Paket CHUCKAMUCK betrachtet: das Unfertige, Spontane, Wilde ist ihr Metier – ihre Songs sind dennoch genau getimt und voller Überraschungen. Oska Wald ist nicht nur für’s Songwriting, sondern auch für die Comics verantwortlich, die ein wichtiger Bestandteil der CHUCKAMUCK-Story sind – auch diese auf den ersten Blick chaotisch, auf den zweiten voller liebevoller Details.
AUTONA traf CHUCKAMUCK anlässlich ihres ersten Auslands-Gig auf dem legendären ROSKILDE-FESTIVAL – am Tag vor ihrem Auftritt war die Band schon vor Ort. Somit wiederholt sich hier auch eine AUTONA-Story – schließlich war im letzten Jahr die ebenfalls auf dem Staatsakt-Label beheimateten BONAPARTE die deutschen Vertreter in ROSKILDE und unser Interview-Partner der Wahl. Die Jungs von CHUCKAMUCK nahmen sich alle Zeit der Welt für das Gespräch, das in lockerer Runde gemütlich und tiefenentspannt auf dem Rasen sitzend in der Media-Area nach ihrem Gig stattfand. Das Wort hatte meist Oska.
AUTONA: Wie war der Auftritt, wie waren die Eindrücke hier in ROSKILDE?
CHUCKAMUCK: 2 Uhr mitten am Tag – das haben wir noch nie gemacht! Dann noch in Dänemark – haben wir auch noch nie gemacht. War schon fett – trotz der komischen Absperrungen auf diesen Festivals. Aber 2 Uhr war viel zu früh – 2 Uhr nachts wär geiler gewesen!
AUTONA: Habt ihr also ein bisschen gegen die Zeit angespielt?
CHUCKAMUCK: Ja klar. Kann ja nicht immer alles super sein. Aber war ein gutes Konzert, hat Spaß gemacht!
AUTONA: Euer Album hört sich ja sehr low-fi, fast nicht-produziert an. Täuscht der Eindruck?
CHUCKAMUCK: Für uns hört sich das gar nicht low-fi an, sondern total produziert. Das liegt auch an unseren Gewohnheiten. Wir haben früher immer alles so mit 5-Euro-Mikrofonen und schnell aufgenommen, und als wir die Platte aufgenommen haben, hatten wir immer Schiss, da dachten wir immer, es würde total überproduziert klingen. Alle sagten immer: nee, klingt doch total rau, und wir immer: nee, das ist doch total clean... Deswegen können wir das gar nicht beurteilen, ob das sauber oder nicht sauber klingt. Wir stehen halt auf den selbstgemachten Sound. Die Platte ist auf jeden Fall sehr produziert!
AUTONA: Habt ihr die Sachen live eingespielt?
CHUCKAMUCK: Ja, alles live. Außer die Vocals.
AUTONA: Das hört man ja auch. Was aber nicht schlecht ist. Es muss sich ja auch nicht immer alles so glatt anhören bei einer Produktion.
| CHUCKAMUCK: Nee finden wir auch nicht. Wir haben jeden Songs 6, 7 mal gespielt, und wir waren nach dem zweiten Mal immer schon zufrieden. Die Produzenten meinten immer: „Ach komm, macht doch nochmal, das kriegt ihr besser hin!“ Deswegen meinte ich dass das ganze schon produziert ist.
AUTONA: Wie seid ihr das Album angegangen? Habt ihr die Songs schon fertig gehabt als ihr ins Studio gingt, und habt das dann nur noch abgemischt, oder habt ihr das vorproduziert? |
CHUCKAMUCK: Die Songs sind ja schon uralt …
AUTONA: Moment, so lang gibt’s euch ja nun auch nicht…
CHUCKAMUCK: Ja, doch, die Songs sind schon über 3 Jahre alt. Als wir angefangen haben da waren wir so 16/17, und mit 18 waren wir so: „Scheiße, wieso interessiert sich niemand so richtig dafür…“ Wir spielten immer vor denselben 20 Leuten. Wir hatten schon Torschlusspanik, „fuck, wir spielen immer vor denselben, wir sind die coolste Band Berlins, wieso interessiert sich keiner für uns.“ Und jetzt sind wir 21…
AUTONA: … und auf einmal gibt es ja ein Feedback, aus ganz anderen Städten, aus ganz Deutschland. Wie kommt das, wo war für euch der Hebel?
CHUCKAMUCK: Ich glaub das kommt einfach durch das Label Staatsakt, auf dem wir drauf sind, und Powerline. Die machen viel für uns. Früher war's in Berlin so: wir haben ne Menge gespielt und da hieß es immer: „ach die kleinen Chaoten“ oder sowas. Und jetzt sind wir bei Staatsakt, wir bringen eine Platte raus, und es ist schon komisch zu beobachten, wie sich da die Leute ändern. Vor einem Jahr noch: „ach fick dich du Kleiner“ und jetzt: „hey super“ – wir haben da im Musikbusiness schon so Leute kennengelernt, das ist alles total beknackt und affig. Wir haben das ja über das Internet gemacht, wir haben unsere eigenen Videos hochgeladen, und dadurch auch erst den Plattenvertrag bekommen. Ich finde das total gut, dass man sein eigenes Ding machen kann und mit etwas Glück und coolen eigenen Sachen den Weg gehen kann. Du brauchst natürlich noch ein paar Leute die hinter dir stehen. Also in dem Sinn geht’s schon in eine gute Richtung.
AUTONA: Letztes Jahr saßen wir genau am gleichen Tag hier beim ROSKILDE FESTIVAL mit BONAPARTE. Die haben dann um 3 Uhr nachts ein geniales Konzert gespielt….
CHUCKAMUCK: … ja, aber um 3 Uhr nachts kannste kein schlechtes Konzert spielen! Alle sind besoffen, alle wollen Party…. Scheiß-Bonaparte (lachend) ! Ja deswegen war der Termin hier 2 Uhr nachmittags nicht so toll.
AUTONA: Wie kommt’s dass ausgerechnet 2 Staatsakt-Bands hier spielen?
CHUCKAMUCK: Ach das hat nichts mit Staatsakt zu tun. Wir spielen hier, weil wir die coolste Band von Deutschland sind (lacht).
AUTONA: Viele Grüße an die BEATSTEAKS, die auch grad hier gespielt haben!
CHUCKAMUCK: Scheiß auf die BEATSTEAKS.
AUTONA: Was magst du nicht an den BEATSTEAKS?
CHUCKAMUCK: Die sind schon ok. Ich hab nichts gegen die. Aber ich mag halt nicht so Fun-Punk-Mist. Ich hätt die auch gern hier gesehen! Aber die haben so kurz nach uns gespielt.
AUTONA: Die haben so ein Unterhaltungs-Gen, eine große Show halt. So was brauchst du auch wenn du so riesige Bühnen spielst.
CHUCKAMUCK: Für uns ist es schon komisch, auf so großen Bühnen zu spielen, du musst alles vergrößern.
AUTONA: Ist es in kleinen Clubs besser?
CHUCKAMUCK: Es ist anders. Komischerweise haben die Balladen heut total gut funktioniert. Viel besser als in einem kleinen Club. Aber dieses Ausrast-Ding, dass alle aus sich rausgehen, funktioniert besser in einem Club, finde ich. Da hast du besseren Kontakt zum Publikum. Und wir sind nicht die Fans von diesem Mitmach-Scheiß.
AUTONA: Wie entsteht bei euch ein Song? Wer kommt mit den Ideen, gibt es unterschiedliche Wege?
CHUCKAMUCK: Das ist schon immer ähnlich. Oska und ich schreiben die Songs meist zusammen, oder Oska hat eine Idee und zeigt sie uns. Wir treffen uns dann oft und jammen zusammen. Dann entstehen unsere ganzen Songs. Die Songs klingen oft wie dahingehauen, wie in einer Minute geschrieben, aber es ist schon komisch, wir brauchen ewig lang, bis zu einem Jahr, bis das alles so klappt, wie wir es uns vorstellen.
AUTONA: Ihr habt ja auch ein paar englische Stücke im Repertoire.
CHUCKAMUCK: Ja, das ist bei uns so ein Fantasie-Englisch. Wir haben einfach auf eine Melodie einen Fantasietext gesungen, und so sind die Dinger entstanden. Die englischen Songs haben jetzt nicht wirklich eine Aussage.
AUTONA: Wenn man genau hinhört, stecken ja unheimlich viele Kleinigkeiten in den Songs, z.B. so ein old school Discobeat bei den Drums…
CHUCKAMUCK: Ja genau! Was ich dabei interessant finde, ist dass unsere Songs ja das wiedergeben, was wir so erleben. Bei meinen Texten ist das mit ner tierischen Verspätung. Ein Jahr nachdem etwas passiert ist, ist dann plötzlich der Song fertig. Man versucht ja immer, so schwierige Sachen möglichst einfach auszudrücken in einem Song. Und dadurch kann ich selbst sogar noch was lernen, wenn nach so langer Zeit der Song steht, und die Dinge klären sich dann im Rückblick auf einmal. Wenn man das total komplizierte Herz-Schmerz-Ding in einen Song verpackt, hilft es, das zu verstehen.
AUTONA: Wie gesagt: eure Songs stecken voller interessanter Details, obwohl es total hingerotzt klingt. Woher kommt diese Inspiration, solche Songs zu schreiben?
CHUCKAMUCK: Townes van Zandt auf jeden Fall. Also alle loben ja immer so Songwriter wie Bob Dylan. Aber Townes hat mal gesagt: die Songs sind einfach da, in der Luft sozusagen, und er war einfach grade da, als die Songs dort waren. Das find ich einfach cool, wenn so ein genialer Songwriter sagt: nee, das gibt’s gar nicht, du musst nur einfach da sein.
AUTONA: CHUCKAMUCK 2011 – was haben wir noch zu erwarten? Gibt’s weitere Pläne nach den Festivals?
CHUCKAMUCK: Wir haben das 2. Album quasi schon fertig und das nehmen wir dann auf nach den ganzen Festivals. Die Songs sind eigentlich alle fertig. Aber bis das Album rauskommt wird’s dann doch noch dauern.
interview by martin hannig & carsten drescher
photos by tassilo rüster




