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NIGHT RANGER – Interview mit Gitarrengott Brad Gillis

19. August 2011

30 Jahre Night Ranger, ein brillantes, neues Album, ausverkaufte Shows ... was will man mehr??!! Gitarrist Brad Gilles über die Band, Kalifornien, die Wirtschaftskrise und seine Gitarrenarbeit von Funk bis Speed Metal.



Autona: Hallo Brad, Glückwunsch zum aktuellen Album „Somewhere in California“ ... meiner Meinung nach das beste Night Ranger-Album überhaupt ....

Brad Gillis: ... vielen Dank (lacht). Ich muss sagen, die Aufnahmen zum aktuellen Album waren aber auch sensationell. So viel Spaß hatten wir selten.

Autona: Wenn man schon diverse Alben gemacht hat ... innerhalb der letzten knapp 30 Jahren, wie kann man sich da aufs Neue motivieren ... so im Sinne von .... „Hey, jetzt machen wir unser bestes Album“?

Brad Gillis: Das war im Grunde ganz einfach. Wir waren viel auf Tour und irgendwann haben wir uns dann gesagt, dass es mal wieder Zeit für ein neues Album wäre, zumal wir noch kein Album mit unserem anderen Gitarristen Joel aufgenommen haben. Aufgenommen haben wir dann im eigenen Studio von Jack Blades (Sänger). Somit hatten wir den Vorteil, nie unter Zeitdruck zu stehen. Normalerweise ist Zeit ja Geld, aber im eigenen Heimstudio war das ganz entspannt. Wir wollten wieder am Geist der ersten drei Alben anknüpfen und haben erst mit Riffs, Melodien etc. herumexperimentiert, bis die Songs instrumental fertig waren. Erst dann kamen die Lyrics dazu. Das haben wir bislang niemals so gemacht. Die Aufnahmen haben auch ein bis zwei Monate länger gedauert, als es sonst der Fall war. Das war aber auch überhaupt kein Problem, weil es tierisch Spaß gemacht hat. Es war alles absolut aufregend!

Autona: Den Spaß habt Ihr auch auf das Album übertragen können. Als ich das Album das erste Mal gehört habe, musste ich die Küche putzen und hab die Songs über das iPhone gehört ... und selbst das Putzen hat nachher Spaß gemacht ...

Brad Gillis: (lacht) Da kannst Du mal sehen ...

Autona: Was für Leute kommen denn eigentlich zu Euren Konzerten? Fans der ersten Stunde oder auch junges Publikum?

Brad Gillis: Wir touren zurzeit sehr erfolgreich mit Journey und Foreigner und es sind erstaunlicherweise auch viele junge Leute dabei. Nach den Shows quatschen wir noch viel mit den Fans und da frag ich natürlich auch, woher sie uns kennen. Viele haben mit dem Alternative-Stuff nicht soviel am Hut und haben unsere Alben bei ihren Eltern gefunden. Ein wichtiger Faktor war auch, dass wir einen Song bei GUITAR HERO hatten. Und dann hatten die Kids Lust, uns auch mal live zu sehen.

Autona: Welcher Markt ist für Euch der größte?

Brad Gillis: Hmm, das kann man eigentlich pauschal nicht so leicht beantworten. Nordamerika, Europa und Japan sind wohl die größten Märkte, aber wir haben jetzt auch erfolgreiche Shows in Puerto Rico in Mexiko gespielt. Das ist eigentlich verrückt, dass die Show mit Journey unsere erste Show in Mexiko überhaupt war ...

 

Autona: Ihr kommt aus Kalifornien und habt noch nie in Mexiko gespielt?

Brad Gillis
: (lacht) Verrückt, nicht wahr. Offen gestanden war ich vorher noch nie dort, das war mein absolutes Debüt.

Autona: Du hast schon auf diversen anderen Alben mitgewirkt, bei Fiona, Ozzy Osbourne, Vicious Rumours ... gibt es da immer noch viel Kontakt?

Brad Gillis: Zum Teil. Mit Fiona (Flanagan) hab ich seit dem Album nichts mehr zu tun und das ist ja schon eine Weile her. Was Vicious Rumours betrifft, hab ich auch erneut beim aktuellen Album mitgearbeitet.

Autona
: Was macht mehr Spaß? Hard Rock oder Speed Metal?

Brad Gillis: Ich habe eigentlich ein weites Spektrum, ich hab auch schon mal in einer Funk-Band gespielt. Im Grunde liebe ich es, wenn’s richtig abgeht und ich mich bei den Soli richtig austoben kann. So gesehen ist Vicious Rumours auch eine schöne Abwechselung.

 

Autona: Ich habe kürzlich noch die Hear and Aid-Nummer „Stars“ gehört .... was war das denn noch für eine Erfahrung? Ich erinnere mich an das legendäre Tremolo-Solo...

 

Brad Gillis: (lacht) Dennis, das war echt eine schräge Sache. Als ich ins Studio kam, waren da sämtliche Supergitarristen der Heavy-Szene und jeder hat da herumgefrickelt; da musste ich mir schnell etwas Originelles einfallen lassen, um mich vom Rest abzuheben.

 

Autona: Jetzt mal ein kleiner Themenwechsel. Wirtschaftskrise in den USA. Alles dreht sich um Hedgefonds, Banken, Finanzkrisen bla bla bla. Nimmst Du dieses Gerede überhaupt noch ernst oder geht das an Dir mehr oder weniger vorbei?

 

Brad Gillis: Ehrlich gesagt lebe ich in einer ganz anderen Welt und interessiere mich nicht wirklich für Wirtschaftspolitik. Tatsächlich ist es doch es doch so, dass die Benzinpreise ständig steigen, genauso wie die Lebenshaltungskosten generell und das bekommt der kleine Mann auf der Straße natürlich mit und hat die Nase voll davon. Ich bin kein Politiker, aber ich hoffe, dass schnell die Weichen gestellt werden, dass es wieder bergauf geht.


Autona: Nach der Tour mit Jouney und Foreigner; ist eine kleine Headliner-Tour in Deutschland geplant?

 

Brad Gillis: Ich denke, es werden noch Club-Gigs in Europa folgen. S gibt da, soviel ich weiß, Pläne für UK. Ich könnte mit gut vorstellen, dass wir auch in Deutschland noch mal spielen werden.

 

Autona: Brad, ich danke für das Gespräch. Du bist übrigens einer der Lieblingsgitarristen eines Kumpels, mit der ich in einer Band spiele ...

 

Brad Gillis: Hey, das ist cool. Dann bestell ihm schöne Grüße. Wir sehen uns dann wahrscheinlich in Deutschland. Bis dann!

 

 

photos by Ross Pelton (band) and Jonathan Cain (live)

interview by Dennis Rowehl (Aug 2011)