Als Postrock-Fake bezeichnen die Hamburger ihre Musik, was sich natürlich irgendwie pseudo-interlektuell anhört und die Truppe somit Gefahr läuft, gleich in eine Schublade der Uncoolness abgetan zu werden. Auch das Cover ist sehr, sehr unauffällig, was im Grunde im Zeitalter der Downloads nicht wirklich tragisch wäre. Allerdings würde ich die Hamburger eher der Kategorie Smashing Pumpkins über Trail of Dead bis ansatzweise Porcupine Tree bis Demians zuordnen, und das ist nach wie vor richtige Tonträger-Mucke und da das Auge bekanntlich mitisst, könnte man sich beim nächsten Album doch mehr Mühe beim Artwork geben. Nun ja, ich bin aber kein Kunstkritiker, sondern in der Funktion des Musikjournalisten tätig. Mit den genannten Bands als Vergleich liegt meine Wahrnehmung irgendwo zwischen Indie und Prog und NIHILING haben in der Tat wesentlich mehr zu bieten als die Verpackung und das persönliche Understatement. Natürlich bedarf es einer gewissen Zeit, bis die CD wirklich in Wallung kommt ... aber spätestens bei "Demise" ist der Bann gebrochen, auch die Kombi aus männlichen Lead Vocals und weiblichen Backings ist sehr reizvoll. Ferner gefiel mit das treibende "Precious Hosts" mit sattem Sound, einem starken Drummer und Hooks, die mich teilweise sogar an SAGA erinnern. Auffällig ist sicherlich noch, dass "Egophagus" eine Menge Instrumentaltracks enthält. Fazit: Nihilit präsentieren anspruchsvolle Musik, die für den 0-8-15-Hörer nicht geeignet ist, stattdessen konzentrieren sich die 4 Hamburger und eine Hamburgerin auf das persönliche musikalische Gleichgewicht und machen ihre Sache richtig gut. Natürlich ... aber das ist bei Porcupine Tree schließlich ebenfalls der Fall ... bedarf es einer gewissen Zeit, um in die Musik wirklich einzutauchen, aber das macht Kunst aus, und somit werde ich am Ende doch noch zum Kunstkritiker. (3,5/5)
review by dennis rowehl



