Nach Roskilde ist vor Roskilde
Roskilde Festival 2011 – AUTONA im hohen Norden
Die letzte Hippie-Enklave Europas Christiania mitten in Kopenhagen verdoppelt ihren Umsatz mit Rauschmitteln jeglicher Provenienz, sobald 30 km weiter südlich das ROSKILDE-FESTIVAL startet. Dies ist der einzige mir bekannte Ort auf unserem Planeten, an dem der interessierte Konsument weicher Drogen wie auf dem Wochenmarkt Hasch und Gras in rauen Mengen an mehr oder weniger improvisierten Straßenständen kaufen kann. Vielleicht ist dies ein Grund, warum dieses Festival so dermaßen tiefenentspannt und „hippiesk“ daherkommt, warum sich dort die Massen alle lieb haben.
AUTONA besuchte für euch dieses älteste, traditionsreichste Festival Europas im Juli 2011 zum 2. Mal – und kam mit vielen einmaligen Eindrücken zurück. Und wieder muss gesagt werden: Ja, das ROSKILDE-FESTIVAL ist einmalig. Mögen auch hunderte Festivals überall aus dem Boden schießen: die auf 40jähriger Erfahrung und Tradition beruhende rundum positive Atmosphäre kann keiner kopieren! Dies ist die Kernkompetenz des Festivals, dies wird immer so sein, und deshalb ist es eigentlich völlig zweitrangig, wer wann auf welcher Bühne spielt – ausverkauft ist es eh immer, und Spaß haben immer alle! Wer einmal in ROSKILDE war, will immer wieder zurück – nirgendwo sonst kann man solche Festivaltage erleben. Kein Stress, keine Randale, nur nette gutaussehende Menschen (inclusive der Autona-Redakteure)! - Na klar, das Ganze ist ein teurer Spaß – Roskilde positioniert sich im obersten Preissegment, und die Anfahrt incl. Fähre will auch bezahlt werden. Aber es gibt ja auch Billigflieger nach Kopenhagen, außerdem wird unsere wohlverdiente Kohle nicht wie überall sonst an die Veranstalter ausgeschüttet, sondern wird direkt in soziale Projekte investiert. Das Gewissen ist also auch beruhigt. Wer seine Kohle optimal in Roskilde anlegen will, bekommt im Maximalfall 9 (!) unvergessliche Tage präsentiert – vom „opening of the camp sites“ am Wochenende vorher bis zum Showdown am Sonntagabend. AUTONA war zumindest während des eigentlichen Festivals ab Do. dabei…. Ach ja, der Unfall: am letzten Tag des Festivals hat eine deutsche Frau wahrscheinlich Selbstmord begangen. Ein kleiner Schatten fällt dadurch rückblickend auf das Festival – aber so was kann einfach überall passieren…
1. Tag: Tame Impala, Foals, Iron Maiden
Donnerstag. Später Nachmittag ist traditioneller Festivalstart, und dabei geht es darum, mit der geeigneten Band möglichst viel Vorfreude auf 4 endlose Tage und Nächte voller Musik zu schüren. Los ging’s für AUTONA um 18.00 Uhr mit den derzeit sehr gehypten TAME IMPALA. Die jungen Psychedelic-Experten aus Australien konnten anfangs nicht so recht überzeugen – vor allem dank des miesen Sounds, der die Stimme von Sänger Kevin Parker ins Nichts verhallte. Nicht nur ihm, der gesamten Band fiel es recht schwer, Kontakt zum Publikum herzustellen. Irgendwie erschienen sie sehr gehemmt, und lahmten so verhalten durch ihr Set, dass man sich fragte, ob sie hier richtig seien. Je länger das Konzert allerdings dauerte, um so zupackender musizierten die vier aus Perth. Nach 40 Minuten hatten sie sich dann eingegroovt und machten hernach mit deutlichen insrumentalen Krautrockanklängen die Fans im Odeon doch noch etwas glücklich. Wenn sie diesen letzten Teil noch ordentlich ausbauen , steht einer ordentlichen Live-Karriere nichts im Wege. Da geht noch was! Job ganz o.k. erfüllt, Festivalstart - im Großen und Ganzen - gelungen.
Die FOALS füllten kurz darauf die Arena und legten ein anständiges Set hin. Angetrieben von den funky treibenden Gitarren von Yannis Philippakis verstanden sie es, mit ihrem Indie-Funk-Dance-Rock die große Arena bestens zu unterhalten. Setlist der FOALS: Blue Blood, Olympic Airways, Total Life Forever, Balloons Miami, After Glow, Black Gold, Spanish Sahara, Red Socks Pugie, Electric Bloom, Two Steps Twice

FOALS auf der Arena Stage in Roskilde (Foto: Bill Ebbesen)
Ok, auf ging’s dann am Abend zur definitiven Metal-Show in Roskilde 2011: IRON MAIDEN – was soll man da noch groß schreiben. Große Show, viele Hits, glückliche Crowd. Sogar old Eddie in neuem Outfit durfte wieder ziellos über die Bühne wanken. Fragwürdig war dann aber doch die Spandex-Hose von Dave Murray – kann man das im hohen Alter noch tragen? Lips von Anvil steht das besser. Außerdem hätte der auch nicht so viele total abgeschmackte Gitarenhelden-Posen geliefert, die 1984 noch durchgingen, 2011 aber nur noch zum Fremdschämen Anlass bieten. Mr. Murray, bitte unterlassen Sie das. Den großen Songs konnte der Zahn der Zeit jedoch nichts anhaben – immer noch steckt viel Dynamik vor allem in der Rhythm section. Steve Harris bearbeitet den Bass so einmalig und cool wie in den besten Zeiten, Nicko McBrain hat immer noch ordentlich zu arbeiten hinter seinem gewaltigen 80er Jahre Drumkit. Die alten Klassiker wurden denn auch groß abgefeiert. Ohne Bruce “scream for me Roskilde” Dickinson ist aber auch die beste Maiden-Show nur die Hälfte wert. Zwischendurch erzählte er davon, als MAIDEN zum letzten Mal auf der Orange Stage spielten, und wie er damals oben in den Lichtern herumkletterte. Dies unterließ er aber dieses Mal – er wird ja auch nicht jünger. Höhepunkte? Sicherlich “The Trooper”, klar, aber auch das atmosphärische “Fear Of The Dark“, die Hymne „Blood Brothers” mit schönem Publikumschor, und „Number Of The Beast“ – der größte Klassiker im Repertoire an diesem Abend, mit dem berühmten von allen laut mitgesprochenen Intro. Die letzte Zugabe war dann “Running Free” von der ersten Platte: nach dem ausgebauten Call and response -Teil wurden die alten und jungen Metalheads glücklich in die kühle Nacht von Roskilde entlassen. “Run To The Hills” aber wurde von vielen schmerzlich vermisst! Schön dann, als zum Abschied „Always Look On The Bright Side Of Life“ vom Band erklang – IRON MAIDEN hatten immer schon viel Humor… Die Setlist: Satellite 15... The Final Frontier, El Dorado, 2 Minutes to Midnight, The Talisman, Coming Home, Dance of Death, The Trooper, The Wicker Man, Blood Brothers, When the Wild Wind Blows, The Evil That Men Do, Fear of the Dark, Iron Maiden. Zugabe: The Number of the Beast, Hallowed Be Thy Name, Running Free

Wieder mit dem Jet angereist: Bruce Dickinson in Roskilde (Foto: J. Dinesen)
2. Tag Beatsteaks, Portishead, M.I.A.
16.00 Uhr am Freitag – Zeit für die BEATSTEAKS… natürlich eine unmenschlich frühe Zeit, um sich vom bequemen und traditionellen Presse-Camp-Umtrunk zum Festivalgelände zu bewegen. Aber deutsche Bands sind für AUTONA seit jeher gesetzt, wenn sie im fernen Roskilde aufschlagen. So standen wir pünktlich um 4 im riesigen Arena-Zelt, das schon recht gut gefüllt war, um die Berliner abzufeiern. Wer jemals eine Beatsteaks-Show sah, weiß, was die Band abräumt – selbst im Ausland. Unter Zuhilfenahme aller Hits wurde ein Gig hingelegt, der die Partystimmung des Publikums befriedigte und zudem noch musikalische Highlights bot. Das neue Album “Boombox“ stand natürlich im Vordergrund, und nicht nur die Deutschen in den vorderen Reihen tanzten und hüpften zu „Automatic“. Arnim Teutoburg-Weiß konnte – nach anfänglicher Nervosität - durch gezielte Ausflüge in die Mitte der Arena und fleißiges Wasserbecherwerfen in die Menge auch die Mehrheit der Nichtdeutschen schnell für sich gewinnen. Spätestens bei „I Don’t Care…“ hatten sie dann die Arena gepackt – Party pur, Erinnerungen an den ersten Beatsteaks-Gig in Roskilde 2005, von dem die Band heute noch schwärmt, wurden wach. Die BEATSTEAKS sind eine großartige Liveband – dies war uns schon vorab klar, und sie haben es mal wieder bewiesen. Hat sich gelohnt, das frühe Einlaufen auf dem Festivalgelände!

Alberner Hut, große Show: Arnim Teutoburg-Weiß (BEATSTEAKS) (Foto: Bill Ebbesen)
Der weitere Verlauf des Tages gestaltete sich ziemlich feuchtfröhlich. Der Reporter eures Vertrauens konnte sich diversen Drinks nicht entziehen, was zu einer kleinen geistigen Umnachtung führte, sodass er hier auf die Berichte seiner Kollegen zurückgreifen muss, die das ganze weitaus professioneller angingen, um die AUTONA-Berichterstattung nicht zum Erliegen zu bringen. Danke, Freunde! Also: WEEKEND aus San Francisco brachten ihren Noise-Indie-Rock derart überzeugend auf die heiligen Bretter des Pavillon, dass hier gesagt werden muss: unbedingt die Platte kaufen! Wer mit den Verweisen auf JOY DIVISION oder JESUS & MARY CHAIN im Programmheft steht, kann so schlecht ja auch nicht sein. Ein überraschender, weil unerwartet überragender Gig der Amerikaner.
POSRTISHEAD später am Abend auf der großen Bühne – eine sichere Bank. Nach 1998 der 2. Auftritt der Band um Beth Gibbons in Roskilde. Schon lange vorher bildeten sich Schlangen vor den Einlasstoren in den „Pit“, den vordersten Bereich des Zuschauerplatzes. Es wird wieder ein Trip in die Klangwelten von Adrian Utley und Geoff Barrow. In einer sparsam ausgeleuchteten Bühne stehen die Bandmitglieder, Beth Gibbons meist etwas im Hintergrund, wo sie entrückt und hochgradig intensiv singt. Kommunikation mit dem Publikum erwartet hier eh keiner – hier geht’s um PORTISHEAD, die eine eigene Kunstform geschaffen haben - und heute abend liegt Roskilde ihnen zu Füßen. Erfreulicherweise werden auch die großen Songs von „Dummy“ nicht ausgelassen, die sich meist mit Liedern von „Third“ abwechseln. „Wandering Star“ gerät zum intensiven magischen Moment – Gibbons, Barrows, Utley zaubern, und das Publikum hält den Atem an. Setlist (Links sind leider verloren gegangen, wir treiben sie wieder auf.): Silence, Mysterons, The Rip, Magic Doors, Sour Times, Wandering Star, Machine Gun, 8. Over, Glory Box, Nylon Smile, Cowboys, Threads, Roads, We Carry On

Magische Nacht: PORTISHEAD (Foto: Bill Ebbesen)
Und was war mit M.I.A.? Mathangi „Maya“ Arulpragasam hatte die zugegebenermaßen schwere Aufgabe, nach PORTISHEAD auf der großen Bühne zu spielen. Inzwischen wieder etwas klarer im Kopf, wunderte sich euer Berichterstatter über die große Menge an Zuschauern, es mögen wiederum mehrere Zehntausend gewesen sein, die M.I.A. sehen wollten. Nach einem etwas zu langen Krishna-Einspielfilm mit indischen Tönen zur Einstimmung erschien M.I.A.: wie immer super hübsch, seltsamerweise blondgefärbt, und genauso so ziellos vor sich hin musizierend wie auf ihrem letzten Album. Die Menge feierte sie dennoch – das gehört sich auch so. Aber gepackt hat uns dieser Gig keinesfalls – es stellt sich die Frage, ob ein Act wie M.I.A. auf der Orange Stage richtig eingesetzt ist. Egal, die Leute hatten meist Spaß, M.I.A. auch – was soll das Gemäkel? Da nun leichter Regen einsetzte, entschieden wir uns zum vorzeitigen Aufbruch ins Zelt – wenn man dann im warmen Schlafsack liegt, ist das Hämmern der Regentropfen auf das Zelt eine wunderbare Einschlafhilfe...
3. Tag TV On The Radio, Arctic Monkeys, Yelle, The Strokes, Lykke Li
Der Samstag sollte ganz im Zeichen der Musik stehen – keine Eskapaden mehr, heute musste der Reporter-Pflicht ernsthaft nachgegangen werden. Deswegen standen wir pünktlich bereit, um die göttlichen TV ON THE RADIO in der Arena zu erleben. Sie legten einen atemberaubenden Gig hin. Das entscheidende war dabei nicht die Tatsache, dass David Sitek nach einer halben Stunden einen lustigen Filzhut aufsetzte und dann den Waldschrat mit Hut + Wallebart gab, sondern dass TV ON THE RADIO ein hochenergetisches Funk Indierockgemisch ablieferten, das man so nicht erwarten durfte, wenn man ihre fein austarierten Platten kennt. Dermaßen druckvoll hat man die Band noch nicht erlebt – der Rock war immer immer zur Stelle, wenn der Soul mal Pause machte. Tunde Adebimpe gab wirkkich alles, am Ende verabschiedete er sich schweißnass von der begeisterten Zuschauermenge, die wirklich ein außergewöhnliches Konzert einer großen, inspirierten Band erlebten.
Gleich rüber zu den Arctic Monkeys, die auf der orangenen Bühne spielten. Hier war der Coolness-Faktor besonders hoch – bei den Monkeys gibt’s keine Showeinlagen oder dumme Sprüche, da spielt die Musik. Das neue wirklich großartige Album „Suck It And See“ galt es zu bespielen, und so wurden viele Songs dieses wunderbaren Zyklus live dargeboten, vom rcokigen „Brick By Brick“ bis zum hochmelodischen infektiösen „The Hellcat Spangled Shalalala“ . Alex Turner erwies sich als toller, sogar charismatischer Sänger, und es hätte gar nicht der Klassiker „When The Sun Goes Down“ und natürlich des Crowdpleasers „I Bet You Look …“ bedurft, um festzustellen, dass die Monkeys den Weg von der Internetsensation zu einer ernsthaften hochkompetenten Band gegangen sind. Setlist: Library Pictures, Brainstorm, This House Is A Circus, Still Take You Home, Don't Sit Down 'Cause I've Moved Your Chair, Pretty Visitors, She's Thunderstorms, Teddy Picker,Crying Lightning, Brick by Brick, The Hellcat Spangled Shalalala, The View From The Afternoon, I Bet You Look Good On The Dancefloor, All My Own Stunts, If You Were There, Beware, Do Me A Favour, That's Where You're Wrong, When The Sun Goes Down, Fluorescent Adolescent, 505
Nach dem Schlussakkord von “505” suchten wir schnell das Odeon auf – denn dunkle Wolkenungetüme und ferne Blitze ließen nichts Gutes erahnen. Aber im Odeon-Zelt war es dann sicher und trocken – während draußen eine unfassbare Sintflut mit heftigstem Blitz + Donner niederrauschte, warteten wir einfach auf den nächsten Gig: YELLE, die französische Pop-Königin . Als jeder Donner von der feierwütigen Meute mit lautem Johlen verabschiedet wurde, war schon klar: dieser Gig, bei diesem Wolkenbruch im Odeon, MUSSTE einfach ein Ereignis werden – da hätte man einen tibetanischen Flötenjungen hinstellen können, der wäre genauso abgefeiert worden. YELLE kam, sah und siegte. Ihr ansteckender Disco-Electro-Daft-Punk-Pop-Bastard ging schnell in die Beine und verwandelte das Odeon in eine total augeflippte Großraumdisse. Wer mir nicht glaubt, sehe sich das Video an, dass einer der beiden Mit-Musiker vor der Zugabe vom Publikum aufgenommen hat – unfassbare Jubelstürme brandeten dem Trio entgegen.
Ein komplett durchgeknallter französischer Discotripp am frühen Samstagabend – was für ein Erlebnis. YELLE im hautengen Suit mit manchmal seltsamen 80er-Jahre-Dancemoves, unterstützt von Keyboards und vor allem genial gespielten „analogen“ Drums – spätestens beim durch eine Klasse Percussioneinlage von YELLE gut ausgebauten „Safari Disco Club“ erreichte die Stimmung den absoluten Siedepunkt. „Thank you Roskilde - we love you Denmark!“ rief sie überglücklich in das tobende Zelt – sie war sichtbar total glücklich und umgehauen vom Roskilde-Feedback. Immer wieder stand sie völlig ungläubig vor der Menge und konnte nur noch lachen – ein fantastisches Erlebnis für ihre Band und sie, und für uns, die wir eigentlich nur nicht im Regen stehen wollten und dadurch eines der absoluten Roskilde-2011-Highlights mitbekamen. Danke, Gewitter!

THE STROKES in Roskilde (Foto: Roskilde Festival)
Genau so muss es sein: das Gewitter hatte sich den Zeitraum ausgesucht, an dem auf der großen Bühne nichts los war. Nach YELLE – als alles wieder trocken war und die Sonne hervorlugte – war es Zeit für THE STROKES. Eins vorweg: Dieser Gig war der beste, den wir je von den STROKES sahen. Als zu Beginn der B52-Klassiker „Rock Lobster“ aus den Lautsprechern scholl, war man noch abwartend bis skeptisch. Als die STROKES dann gut gelaunt die Bühne enterten und mit „Is This It“ loslegten, verflog die erste Skepsis. Unglaublich, wie gut gelaunt und entspannt der wie immer sonnenbebrillte Julian Casablancas mit dem Publikum kommunizierte. Er erzählte sogar von seiner dänischen Mama, die ihm as Kind so manches in Dänisch verbot („Nej, Julian!“). Und als er am Ende gar die Sonnenbrille abnahm (!), da war klar, dass hier ein besonderes Konzert stattfand. Die STROKES spielten sich quer durch ihre Historie – der Sound war sehr laut, aber brilliant, die Gitarren extrem hart gespielt, so dass ein Bekannter meinte: „das war vom Konzept her eigentlich viel härter als der Metal von IRON MAIDEN!“ Naja, kein Wunder, wenn man zusah, wie Albert Hammond Jr. 80% des Gigs auf seine hochhängende Gitarre eindrosch, mit einer atemberaubendem Geschwindigkeit, dass die Saiten eigentlich nur so gerissen sein müssten…. „Last Nite“ wurde in einer lebendigen, upgedateten Version unglaublich enthusiastisch abgefeiert, ebenso „New York City Cops“. Man stand vor der Orange Stage und wusste nicht, wie es sein kann, dass die STROKES jede Erwartungshaltung mit sichtbarem Spaß mühelos übertrumpfen würden. „Someday“ war Gänsehaut pur – ganz Roskilde sang mit dem Halb-Dänen Julian. Für mich das beste Konzert in Roskilde 2011. Setlist: Is This It, Reptilia, Under Cover of Darkness, Hard to Explain, Last Nite, Life Is Simple In The Moonlight, Juicebox, Machu Picchu, The Modern Age, You Only Live Once, Under Control, Gratisfaction, What Ever Happened?, New York City Cops, Automatic Stop, Taken For A Fool, Meet Me In The Bathroom, You're So Right, Someday, Take It Or Leave It
LYKKE LI war an diesem prall gefüllten Samstag der nächste Programmpunkt. Wir waren der festen Meinung, dass es - bei dem derzeitigen Hype um die Frau – sicherlich supervoll in der Arena werden würde, kamen aber direkt nach den STROKES noch ganz gut rein. Umgeben von gefühlten 80% Mädchen und Frauen galt es, dem Hype auf den Grund zu gehen. Und siehe: es war gut. Der Trend war klar: genau wie bei YELLE gab es einen Keyboarder/Elektroniker, einen echten Drummer, und eine Standtrommel, an dem frau gern ein paar Pseudo-Drumschläge zwischendurch abliefern darf. Die Musik aber gänzlich anders: eher dramatisch, dunkel, super-melancholisch, trotzdem catchy und ins Ohr gehend. Eine sehr spezielle Mischung, die z. B. beim dem sehr perkussiven „Dance Dance Dance“ oder „Little Bit“ super funktionierte. Jeder Song wurde - natürlich!- frenetisch begrüßt und mitgesungen. Dazu kam eine tolle Lightshow, die auf wenige, dafür sehr gezielte Effekte setzte und jeden Song toll untermalte. Lykke – gewandet in eigentlich zu sexy schwarzen Hotpants, einem komischen Schleier, den sie aber bald ablegte, und einem schwarzen Poncho - ist eine ausgesprochen tolle, ausdrucksstarke und charismatische Sängerin, die während des Gigs eine geheimnisvolle, dramatische Aura aufbaute. Ihre Songs sind durchweg toll für die große Bühne arrangiert. Vielleicht am Ende etwas zu viel der Melodramatik, der großen Gesten, der schmachtenden, verlorenen Blicke. Aber lohnenswert ist ein Lykke-Li-Konzert auf jeden Fall – und wir werden sie in bester Erinnerung behalten!
Drama, Baby: Lykke Li in Roskilde (Foto Bill Ebbesen)
4. Tag Bad Religion, The Walkmen, Kings Of Leon
Der letzte Tag in Roskilde ist bei allen geprägt von der bevorstehenden Abreise, und so sind die Konzerte meist nicht ganz so ausgelassen bejubelt wie an den anderen Tagen. Besonders der Nachmittag ist ein schwerer Termin – meist wird sich noch ausgeruht von den Exzessen der letzten Tage, oder es wird schon gepackt für die Heimreise. Dies bekamen auch BAD RELIGION zu spüren, die ihren melodischen Punkrock alter Schule in gleißender Nachmittagshitze auf der großen Bühne spielen mussten. Tja, das ist Roskilde: du musst immer mit heftigsten Regengüssen und polaren Winden rechnen, und gleichzeitig mit knalligster Sommersonne, die dir die Birne weichkocht. Wenn dann die Wettervorhersagen so dermaßen nicht stimmen – noch nicht mal die 1-Tages-Voraussage – muss man sich halt auf alles gefasst machen. Also: klar war, dass nicht mit viel Publikum zu rechnen war – ist auch ein undankbarer „Slot“. BAD RELIGION zerfloss förmlich in der Sonne – und sie machten das Beste draus. Ihren Humor haben sie auch nicht verloren (“We play another song from the last century. Back in the days when we didn’t suck!“), und so wurde ein munterer, etwas langweiliger Gig daraus, der sicherlich nicht in die Roskilde-Annalen eingeht.
THE WALKMEN hatten es auch recht schwer, im Odeon für Begeisterung zu sorgen. Zu schwermütig präsentierte sich vor allem Sänger Hamilton Leithauser, und auch die anderen Bandmates kamen nicht so recht in Schwung. Vielleicht lag’s daran, dass dies der letzte Gig der Tour war. Gute Songs sicherlich um sie zu Hause zu hören, aber irgendwie funktionierten sie nicht in Roskilde.
Die KINGS OF LEON sollten abends den Schlusspunkt auf der Orange Stage setzen. Die Band sorgte wieder einmal für Begeisterungsstürme. Allerdings ist es doch ein Rätsel, wie eine so dermaßen statisch und sogar langweilig musizierende Band dermaßen abgefeiert wird. Die Songs allesamt groß – aber viele einfach schon in Funk + Fernsehen totgedudelt. Die Followills sind großartige Musiker, die tolle Songs schreiben können, aber mir war’s nach den ganzen großartigen Gigs der letzten Tage einfach zu wenig – wohl auch, weil ich sie schon diverse Male gesehen habe und jedes Mal enttäuschter war. Also: für Roskilde, für die Fans zum Abschluss super, für AUTONA nicht wirklich aufregend. So war der Sonntag insgesamt ein recht lahmer Ausklang eines aufregenden langen Wochenendes in Roskilde.
Und wie hieß es zum Abschied so schön im AUTONA-Camp: NACH ROSKILDE IST VOR ROSKILDE!!!
report by Martin Hannig (support by Markus Drost & Carsten Drescher)



