SYMFONIA - In Paradisum (Edel)
Namedropping muss bei dieser Zusammenkunft berühmter Power-Metal-Helden an erster Stelle stehen. Tun wir also unserer Pflicht Genüge und stellen fest: SYMFONIA sind Boss Timo Tolkki (g) (STRATOVARIUS), bekannt als exzentrischer Metalgott, Jari Kainulainen (b), ebenfalls dort, Mikko Härkin (keyb) (SONATA ARCTICA), der gute alte Uli Kusch (HELLOWEEN, GAMMA RAY), André Matos (voc) (ANGRA).
Die Herkunft der Bandmitglieder verrät bereits: es geht um Melodic Metal der europäischen Sorte. Los geht’s mit „Fields Of Avalon“, ein euphorischer Nackenbrecher. Wer hier – besonders bei den zweistimmigen Cembalo/Gitarren-Einlagen – nicht an die alten Yngwie-Malmsteen-Rising-Force-Scheiben denken muss, ist ein Spätgeborener. Deutliche Classic-Anleihen also, die dem speedigen Song gut zu Gesicht stehen, gekrönt durch ein abgedrehtes Tolkki-Gitarrensolo. „Come By The Hills“ beginnt wieder mit einem Cembalo-Lauf, dem sich bald die Powergitarre des Meisters dazugesellt, und wieder überzeugt seine Solo-Leistung, die Chöre erinnern gar an Queen! Das schnelle „Santiago“ überrascht mit einer elegischen Instrumental-Einlage, bevor Timo wieder das Plektrum glühen lässt. Hymnischer Euro- Metal a la HELLOWEEN und – natürlich – STRATOVARIUS stehen bei diesem Album im Vordergrund, mal emotional und balladesk („Alayna“), meist schnell und überbordend („Forevermore“).
Eigentlich ein schönes etwas altmodisches Melodic-Metal-Album, nur: die ähnlichen Malmsteen-Songs waren schon den 80ern besser und druckvoller abgemischt, als „In Paradisum“, das sich irgendwie nicht wirklich nach „Power Metal“ anhört. Die Gitarren sind m. E. zu sehr nach hinten gemischt, die Drums schweben seltsam leblos über allem, und auch die Vocals hat man schon besser gehört. Mir scheint, dass die Jungs einfach auch bei den biederen Arrangements der Songs noch nicht alles ausgepackt haben. Mit Sicherheit ist das noch nicht der große Wurf, den man sich bei dem Line-up wünscht.
Wie heißt es so schön im Fußball? „Potenzial nicht abgerufen“!
(3/5) Martin Hannig



