STAIND
Dreimal Nr. 1 in den US-Albumcharts, jetzt wieder nahe dran und zudem stieg das aktuelle Album „Staind“ auf Platz 25 der deutschen Albumcharts. Grund genug, um Sänger und Band-Boss Aaron Lewis persönlich beim Gig in Köln zu treffen, um ein nettes Gespräch über das neue Album, Celebrities, Charity und den ersten tätowierten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika zu sprechen.
Dennis Rowehl: Das neue Album hat wieder eingeschlagen. Herzlichen Glückwunsch.
Aaron Lewis: Vielen Dank.
D.R.: Lass uns mal zu den Anfängen von STAIND zurückgehen. Ihr seid damals von Fred Durst entdeckt worden. Gibt es immer noch eine Beziehung zwischen euch und Limp Bizkit?
Aaron Lewis: Fred Durst war damals A&R von Flip Records und damit begann alles. Ja klar, wir haben erst kürzlich ein paar Shows mit Limp Bizkit gespielt. Da gibt es immer noch eine Connection...
D.R.: Gibt es auf der Tour wilde Parties und so ein Zeug?
Aaron Lewis: Für uns? Nee, echt nicht. Das ist nicht mein Ding. Ich bin nicht der Typ, der auf diese Celebrities-Parties steht. Ich ziehe mich lieber zurück und wohne bei mir zu Haus ein Massachusetts in einer Kleinstadt, dort habe ich mein Ruhe und meine Familie. Ehrlich gesagt fühle ich mich unwohl, wenn eine Kamera dabei ist. Es hört sich jetzt vielleicht abgedroschen an, aber mir geht es einfach nur um die Musik. Das Schöne ist, dass wir zwar sehr erfolgreich mit STAIND sind, ich mich in der Öffentlichkeit aber immer noch frei bewegen kann ... mit meiner Familie. Ich gehe einkaufen wie jeder andere auch und werde dabei komplett in Ruhe gelassen. Das gefällt mir so, wie es ist.
D.R.: Also nicht wie diese Jungs hier (Blick auf ein Mötley Crüe-Shirt)?
Aaron Lewis: (lacht) Auf keinen Fall. Ich bin lieber zu Hause. Wir haben jede Menge Haustiere... Hühner, Ziegen, sogar ein Hausschwein...
D.R.: Auch einen Hund?
Aarona Lewis: Wir hatten einen Hund, der lebt aber nun bei den Eltern. Er hat immer gebellt, wenn es windig war... und ich sag’s dir... in Massachusetts ist es immer windig (lacht).
D.R.: Wie kommt es, dass ihr trotz des relativen Desinteresses an Medien derart erfolgreich seid?
Aaron Lewis: Das kann ich dir nicht beantworten. Aber ich bin unglaublich dankbar dafür, das tun zu können, was ich am liebsten mache... Musik, und dass wir damit Erfolg haben, das ist wie ein Segen. In meiner Heimatstadt kümmere ich mich um einige Charity-Angelegenheiten, aber daraus mache ich keine große Sache...
D.R.: ...was denn zum Beispiel?
Aaron Lewis: Zum Beispiel, als es darum ging, dass unsere Grundschule geschlossen werden sollte, bin ich eingesprungen. Es geht um Kindheitserinnerungen und es ist mir wichtig, den Leuten hier zu helfen. Für ein anderes Projekt haben wir auch mal ein Benefizkonzert organisiert mit anschließender Autogrammstunde. Das hat sich ewig hingezogen, das kann ich dir sagen, aber es hat sich absolut gelohnt. Ich finde es wichtig, den Leuten etwas zurückzugeben.
D.R.: Wie weit wohnt Ihr eigentlich von einander entfernt, wenn ihr proben wollt?
Aaron Lewis: Nah genug. Ich habe bei mir in der Scheune ein Studio eingerichtet und da können wir uns jederzeit treffen, um an neuen Songs zu arbeiten. Meistens legen wir einfach los und probieren herum und wenn es uns dann gefiel, hören wir uns die Aufnahmen an und lernen erneut, wie man es spielt. Mit den Texten verhält es sich ähnlich. Ich singe einfach drauf los, nehme alles auf und dann suchte ich mir die richtigen Passagen heraus und arbeite daran weiter, bis ich das für uns perfekte Ergebnis habe.
D.R.: Wenn man erfolgreiche Alben aufgenommen hat, steht man natürlich unter einem großen Druck bei den Aufnahmen eines Nachfolgers. Wie werden die Fans reagieren, wie reagiert die Presse. Spielen diese Erwartungen bei der Auswahl der Songs eine Rolle.
Aaron Lewis: Mmhh... gute Frage. Im Grunde ist es so, dass die Songs geschrieben werden und ich immer versuche das Beste zu geben. Das zieht sich dann auch durch die Produktion und Gedanken, wie die Presse etc. reagieren könnte, machen wir uns zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht. Die Anspannung kommt erst, wenn das Album fertig ist und veröffentlicht wird. Dann können wir nicht mehr eingreifen. Man hofft natürlich immer, dass ein neues Album gut aufgenommen wird, aber nachdem das Ding im Kasten ist, nimmt alles eine Art Eigendynamik und man kann dann nur abwarten.
D.R.: Zum Abschluss noch eine Frage: Wenn du Präsident der USA wärst, was würdest du ändern?
Aaron Lewis: Oh Mann... das ist eine Frage... mal überlegen. Die Politiker sollten sich endlich wieder darauf besinnen, was gut für das Land und die Leute ist. Man sollte die Steuern grundsätzlich senken, auch für ausländische Investoren, um neue Technologien anzusiedeln und Firmen aufzubauen, sodass die Leute endlich wieder Arbeit haben. Arbeit ist der Schlüssel für die USA. Gerade hier im Norden sieht es mit Arbeitsplätzen nicht so gut aus und da wäre die Steuersenkung ein unbedingtes Mittel, um die Ansiedlung neuer Firmen zu fördern. Das ist ein Punkt, den ich ändern würde.
D.R.: Dann wärst du auf jeden Fall der erste US-Präsident mir einer Menge Tattoos...
Aaron Lewis: (lacht) Ich glaube, irgendwann wird sich das sowieso nicht mehr vermeiden lassen. Die junge Generation geht mit Tattoos viel easier um und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Tattoos auch im Weißen Haus landen.
D.R.: Dann vielen Dank für das Interview und noch alles Gute für das Album.
Aaron Lewis: Besten Dank und viel Spaß bei der Show!
interview by dennis rowehl



