Rise Against

Appell an die Vernunft. Die RÜckkehr einer Band mit einer Botschaft

Das aktuelle Album “Appeal to reason” belegte in den US-Albumcharts den dritten Platz und Platz 21 in Deutschland und in der Menge von aussageloser Mucke sind sie ein weiterer Lichtblick, wenn es darum geht, einen Standpunkt zu beziehen und auf die Probleme wie Umweltzerstörung hinzuweisen. Dennis Rowehl im Interview mit Sänger Tim McIlrath:

Autona: "Appeal to reason" lautet der Name des aktuellen Albums, das sich mit aktuellen und ernsten Themen wie Naturzerstörung, Krieg sowie Gewalt gegen Tiere befasst. Leider gibt es nicht so viele Bands, die sich diesen Themen widmen und im TV geht es lieber um den neuen Lover von Britney Spears oder Paris Hilton oder anderen sinnlosen Quatsch, sodass die Aufmerksamkeit für wirklich wichtige Themen gänzlich verloren geht. Bist du manchmal über diese Ignoranz der Leute wütend?

Tim: Ich fühle keinen Hass in meinem Herzen, auch nicht in Bezug auf Ignoranz und die Medien. Natürlich, Ich glaube, die Medien sollten mehr auf unterschiedlicher intellektueller Ebene Verantwortung lehren und ich glaube ebenfalls, dass die Leute mehr Rückgrat beweisen sollen und einfach mal den Bullshit, der häufig im fernsehen läuft, ausschalten sollten. Am Ende geben die Medien den Leuten das, wonach sie verlangen … und wenn sie nur noch sinnlosen Müll wollen, werden sie das auch bekommen. Ich bin auch mal Feuer und Flamme, dem echten Leben zu entfliehen, aber da gibt es bessere Wege als TV. Solange die Leute bei diesem Müll einschalten und die Quoten gut sind, wird dieser Kram auch weiterhin gezeigt. Es bedarf eines Bruchs und der Nachfrage nach etwas Besserem.

Autona: Eure Fans lieben nicht nur die Musik von euch, sondern interessieren sich auch dafür, was ihr zu sagen habt. Meine Nichte liebt zum Beispiel eure Texte und ist mittlerweile Vegetarierin. Denkt ihr, dass ihr etwas im Bewusstsein der Hörer bewirken könnt.

Tim: Zweifelsohne. Wenn Du eine Person erreichst und seine Einstellung veränderst, wird es zu einer Kettenreaktion, die ansteckend ist.

Autona: Viele Bands zerstören Dinge, weil’s cool und böse ist … das erweckt natürlich gerade bei jüngeren Menschen das Bewusstsein, dass Umweltschutz eine öde und uncoole Angelegenheit sei. Gibt es nicht auch die Möglichkeit, bei den Jugendlichen eine Einstellung zu wecken, dass es eben auch cool und hip sein kann, sich für etwas einzusetzen und beispielsweise für die Rechte von Tieren zu kämpfen … nicht als Trend, sondern als Erkenntnis: „Wir sind jung, es ist unsere Welt, für die es sich zu kämpfen lohnt!“

Tim: Ich denke, diese Art zu denken wandelt sich, das beweist unsere Fangemeinde zumindest. Es muss nicht unbedingt trendy sein, ich denke, es kommt darauf an, dass  man etwas wirklich ehrlich damit meint, was man verkörpert … dann wollen die Leute auch ein Teil davon sein.  

Autona: Ihr unterstützt die "Sea Shepherd Conservation Society". Es gibt da eine große Kontoverse über Kapitän Paul Watson, die Lobbyisten nennen ihn natürlich einen Ökoterroristen, für die Aktivisten ist er ein Held. Brauchen wir mehr von diesen Menschen, die ihr eigenes Leben dafür riskieren, um unsere Natur zu retten?

Tim: Auf jeden Fall! Es ist erstaunlich im Falle der Sea Shepherds, dass Leute an jemanden etwas auszusetzen haben, die einfach nur ein Gesetz erzwingen wollen, dass mit der Zustimmung der Welt beschlossen wurde – in diesem Fall geht es um das Verbot des kommerziellen Walfangs. Wie kann jemand nur ein Problem damit haben, wenn die Sea Shepherds auslaufen und niemanden verletzen? Sie werden als Helden in die Geschichte eingehen, die Gegner werden als Verbrecher in die Geschichte eingehen!

Autona: Kommen wir zur Musik. Wenn ihr einen Song schreibt, was steht im Fokus? Der Text oder die Musik?

Tim: Beides kommt vor, aber moistens werden die Texte von der Musik inspiriert. 

Autona: "Collapse" ist ein dunkles Szenarium der post-amerikanischen Gesellschaft. Gibt es da noch etwas, das dich positiv denken lässt?

Tim: Wenn ich jede Nacht tausende Leute sehe, die zu Collapse singen! In diesen Momenten können wir alle gemeinsam unseren Gefühlen freien Lauf lassen. Es ist unbeschreiblich! Und das lässt mich letztlich positiv denken. Ich weiß, dass ich nicht allein bin und unsere Fans wissen ebenfalls, dass sie nicht allein sind!

 

© 2009 Interview von Dennis Rowehl