
Porcupine Tree
steve Wilson: "Musik ist teil meiner DNA"
„The incident“, das aktuelle Album der englischen Band Porcupine Tree, ist sicherlich nichts für den Mainstream-Hörer, der einfach mal auf die Schnelle einen Song downloaden möchte; man muss sich schön näher damit beschäftigen, um bei jedem weiteren Hören immer noch weitere Feinheiten zu entdecken. Steve Wilson, Chef der Prog-Legende, über die Bedeutung von tiefgründiger Musik.
Autona: Was ist dir eigentlich lieber … ein Jounalist, der Porcupine Tree Experte ist oder jemand, der ziemlich unvoreingenommen an die Sache herangeht?
Steve: Das hängt von den Fragen ab. Ein Interview macht Spaß, wenn die Fragen gut sind. Wichtig ist, dass der Journalist vorbereitet ist, ist er es nicht, merkt man es an den Fragen, es sind dann immer dieselben Floskeln.
Autona: Euer neues Album ist wie ein langer Roman, in den man erst richtig hineintauchen muss, um die Details zu erkennen. Woher bekommst du die Ideen für solch ein komplexes Werk?
Steve: Musik bedeutet mir sehr viel und ich höre eigentlich alles; von Death Metal bis Ambient, von Electronic bis was auch immer … als ich noch 20 war, habe ich Musik in mich aufgesaugt, habe mich von ihr beeinflussen lassen und sie in der eigenen Musik verarbeitet. Sie wurde ein Teil meiner DNA. Heute ist es etwas anders. Ich bin immer noch für jede Art von Musik offen, aber meine Songs werden vom Leben selbst beeinflusst, von Erfahrungen, Sachen, die ich gesehen und erlebt habe, von Menschen, die ich getroffen habe, von Kuriositäten des Lebens selbst. Um ehrlich zu sein, höre ich nicht einmal meine eigene Musik; schließlich will ich meine eigenen Ideen nicht kopieren.
Autona: Wie lange dauert es, ein derartiges Album wie „The incident“ zu schreiben.
Steve: Ich glaube, es hat etwa 2 Monate gedauert, doch dann beginnt die Strukturierung. Für ein Album ist die Struktur und Dramaturgie entscheidend, denn ein Album ist mehr als nur die einzelnen Songs als Dateien.
Autona: Ich habe einen Blick auf euren Tourneeplan geworfen … wow, die Tour beginnt am 15. September und dauert drei Monate mit nur wenigen Tagen Pause. Besonders für den Sänger muss das echt ein hartes Programm sein …
Steve: Absolut, man denkt immer, es sei der pure Spaß, aber es ist wirklich harte Arbeit, auch wenn sie Spaß macht. Gerade im Herbst, bei diesem Wetter muss man auf seine Gesundheit achten, sonst hat man ein Problem.
Autona: Also reist ihr viel und seht doch nicht so viel von der Welt?
Steve: Das stimmt leider zu einem Teil. Das Blöde ist, dass wir unsere Ruhetage meistens dann haben, wenn wir gerade im Nirgendwo in irgendwelchen uninteressanten Städten sind, in denen es nur eine Shopping-Mall statt Kultur gibt. Komischerweise haben wir selten Pausen, wenn wir in Städten wie Barcelona sind.
Autona: Wie hältst du dich auf Tour fit? Exercises?
Steve: Ich wünschte, ich wäre so diszipliniert, aber ich habe eine gesunde Ernährung. Ich bin Vegetarier, rauche und trinke nicht. Rauch und Alkohol sind Gift für die Stimme. Ich kann schließlich nicht einfach sagen: “Hey, Ich brauche heute eine Auszeit, sag den Gig ab!“
Autona: Du trinkst nicht während einer Tour, das ist aber ansonsten keine Grundsatzfrage, oder?
Steve: Nein, hin und wieder liebe ich einen guten Wein, aber das ist auf Tournee ein Tabu. Die Stimmbänder brauchen 3 tage, um sich vollkommen zu regenerieren.
Autona: Ihr habt ernsthafte Texte, möchtest du auch die Ansichten der Hörer verändern?
Steve: Ich möchte Leuten meine Meinung nicht aufdrängen, ich bin doch nicht Bruce Springsteen.
Autona: Bruce Springsteen?
Steve: Er ist dafür berühmt, seinen Fans und seinem Personal seine Meinung aufdrängen zu wollen, sogar wenn es darum geht, wen sie wählen sollen. Das ist nicht mein Ding. Ich singe über Gefühle, mit denen sich jeder identifizieren kann, aber über die jeder anders denkt bzw. mit denen jeder unterschiedlich umgeht. Meine Texte sind wie ein Blick in den Spiegel. Man blickt hinein und denkt darüber nach, ob es ihm gefällt, was man sieht. Musik ist grundsätzlich anders als ein Roman oder ein Film. Dort wird jede Situation und jede Person exakt beschrieben und es lässt wenig Spielraum für Interpretationen. Bei der Musik ist das völlig anders, jeder interpretiert sie unterschiedlich und das macht genau den Reiz aus. Ich habe keine eindeutige Message, der Hörer findet seine eigene Botschaft in unserer Musik.
Redakteur: Dennis Rowehl
© 2009











