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RAUMSTAZION

 

 

Architektur und Design

Raumstazion

Interview mit Dipl. Ing. Arch. FH Marco Schefczik, Raumstazion Köln; von Dennis Rowehl.


Sein Hobby zum Beruf zu machen, davon träumen viele. Bereits während des Architekturstudiums spezialisierte sich Marco Schefczik auf Bereiche, in denen er seiner Kreativität freien Lauf lassen konnte. Begünstigt durch die Rezession in den 90ern innerhalb der Baubranche fühlte er sich bestätigt, seine Selbstständigkeit vorerst im Messebau und Eventbereich zu suchen. Mittlerweile erstreckt sich sein Repertoire von Architektur, Innenarchitektur bis zum Eventbereich, Stagedesign sowie Ausstellungen. Aber auch Banken, Versicherungen, Automobilkonzerne bis hin zu unabhängigen Clubs und Discotheken gehören zu seinen Kunden...

Autona: Warum haben Sie sich für den Kreativbereich entschieden anstatt sich in der klassischen Architektur selbstständig zu machen. Warum?

M.S.: Im Grunde wusste ich immer schon, dass ich kreativ arbeiten möchte. Bereits vor dem Studium! Ich habe in diversen Agenturen und Architektenbüros gearbeitet und schnell gewusst, dass es nicht mein Ding ist, mich bei Einfamilienhäusern mit den Kunden um Kleinigkeiten herumzustreiten und meine Zeit auf den Bauämtern zu verschwenden. Ehemalige Kollegen von mir bauen für Lehrer, Ärzte etc. Häuser und müssen bei etlichen Sachen ständig Kompromisse eingehen, Änderungen wieder beim Bauamt einreichen und so weiter. Man hat es häufig mit schwierigen Kunden zu tun und kann seine Ideen nur sehr selten ausschöpfen. Auf die Bürokratie und Art des Arbeitens hatte ich noch nie Lust. Und so habe ich mich bereits während des Studiums für meinen eigenen Weg entschieden.

Autona: Wenn man Ihre Website besucht, sind da eine Menge großer Projekte von bedeutenden Unternehmen vertreten? Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang ein gutes Netzwerk?

M.S.: Sehr wichtig. Mittlerweie läuft 90% über Networking. Ich arbeite mit unterschiedlichen Personen wie Architekten und Innenarchitekten und mit Medien- und Eventagenturen zusammen und da ergeben sich sehr unterschiedliche Aufträge und Synergien. Bei dem Projekt Margaritis habe ich beispielsweise die Fassade neu gestaltet und den Eingang in Form einer Faltung entworfen, für die Gestaltung der Büros waren andere verantwortlich. Im Grunde mache ich alles, was mit Räumen zu tun hat. Teilweise gibt es starke Vorgaben beim Budget, dann muss man beispielsweise mit günstigeren Materialien, reduzierten Entwürfen, und z.B. Farben kostenintensive Anschaffungen beim Interieur kompensieren. Bei anderen Projekten bin ich oftmals in der Position, dass das Budget sehr hoch ist, sodass man seiner Kreativität wirklich freien Lauf lassen kann. Das ist natürlich ein Luxus. Auch die Gestaltung von großen Events ist immer eine besondere Herausforderung, weil man Elemente wie Beleuchtung und Projektionen etc. mit einfließen lassen kann und auf den Faktor Zeit Einfluss nehmen kann, also was passiert zu welchem Zeitpunkt. Und dann gibt es auch noch viele Aufträge im Bereich der Visualisierung.

Autona: Was bedeutet das?

M.S.: Dass ich den zweidimensionalen Entwurf von einem Kunden bekomme und diesen in ein 3D-Format umarbeite, damit sich der Endkunde die räumliche Komponente besser vorstellen kann.

Autona: Sie haben auch an der Public Area im neuen Stadion von Alemania Aachen mitgewirkt.

M.S.: Das ist richtig, das war ein gemeinschaftlicher Entwurf im Rahmen einer Kooperation, bei der jeder seine eigenen Ideen zum optimalen Ergebnis einbrachte. Ich habe beispielsweise ein gutes Händchen für Lichtstimmungen und Formen, sodass man verschiedene Ideen kombinieren konnte. Es ist immer von Vorteil, wenn einem der Auftraggeber bei wesentlichen Entscheidungen freie Hand gibt.

Autona: Sind Sie als Projektbetreuer bei der tatsächlichen Realisierung beispielsweise bei der Errichtung von Gebäuden vor Ort?

M.S.: In der Regel bin ich mit dem Entwurf beauftragt und erstelle gegebenenfalls noch eine Entwurfsplanung, habe allerdings mit der Realisierung nichts zu tun. Aber es ist immer wieder ein gutes Gefühl, wenn man seine Ideen und Entwürfe dann in der Realität begutachten kann.

Autona: Kann man von einer beruflichen Selbstverwirklichung sprechen?

M.S.: Zum Teil schon, vor allem, wenn man wenig Restriktionen das Budget betreffend hat und der Auftraggeber einem das uneingeschränkte Vertrauen schenkt, alle Entscheidungen eigenständig treffen und umsetzen zu können.

Autona: Gibt es eine besondere Herausforderung, die Sie unbedingt noch entwerfen möchten?

M.S.: Als Architekt sind die Herausforderungen grenzenlos. Da ich allein in meinem Büro arbeite, wäre es natürlich vermessen, beispielsweise zu sagen, ich möchte mal eben eine Oper bauen. Es gibt aber immer neue Bereiche und ich bewahre mir eine Offenheit für viele unterschiedliche Tätigkeitsbereiche.

Autona: Kürzlich habe ich eine Doku von der Band U2 gesehen, die durch extravagante und bombastische Bühnenbilder den Stadionrock immer wieder von Neuem erfinden. Wäre das eine Herausforderung?

M.S.: Auf jeden Fall, ich habe bereits an großen Projekten im Stage-Bereich gearbeitet, z. B. gemeinsam mit MINDACT an einer Bühne für AXA oder die Comet Bühne 2002 für Viva entworfen. Das ist eine völlig andere Welt, weil man mit Hydraulik, Licht, Sound- und Nebeleffekten, Blow-ups und Projektionen, die sich im vierdimensionalen Raum durch die Halle bewegen, arbeiten kann. Wenn man dann bei der Show das Gesamtergebnis sieht, ist das wirklich atemberaubend. Also, um auf die Frage zurückzukommen, ein Entwurf für das Bühnenbild einer wirklich großen Band wäre schon etwas ganz Besonderes.

Autona: Spielen sich die meisten Projekte in Deutschland ab oder gibt es bereits einen Connect beispielsweise nach Dubai? Da dürfte das Budget sicherlich eine untergeordnete Rolle spielen.

M.S.: Als besondere Herausforderung habe ich gewissermaßen in Form einer freien Arbeit ein Labyrinth entworfen. Labyrinthe sind schon immer etwas Besonderes für mich, denn man weiß nie, was sich hinter der nächsten Kurve und im nächsten Gang verbirgt. Sie haben etwas Geheimnisvolles. Und somit habe ich mir einfach die Zeit genommen, ein ganz besonderes Labyrinth zu entwerfen, was man auch auf meiner Homepage findet, und habe mit diesem Entwurf einen Kontakt in Dubai hergestellt, damit möglicherweise ein Scheich seinem Sohn dieses Labyrinth als Erlebnispark zum 18.Geburstag hätte schenken können. Zur Umsetzung dieser Idee ist es dann zwar nicht gekommen, aber man kam aufgrund meiner Entwürfe auf mich zu, ein Re-Design der Fassade, des Foyers und des Poolbereiches der Donna Towers vorzunehmen, weil man mit den bisherigen Vorschlägen offenbar nicht zufrieden war. So kam eins zum anderen. Und nun befinden sich die Donna Towers mit meinen Ideen in der Fertigstellung. Das ist ein ganz besonderes Gefühl.

 

Redakteur: Dennis Rowehl

© 2010

 

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