Die Einheit von Lifestyle, Umweltschutz und sozialem Engagement in der Modebranche.
Köln. Es begann mit zwei Freunden und Wirtschaftsstudenten, Martin Höfeler und Anton Jurina, die schockiert durch Skandale in der Textilindustrie wie Kinderarbeit und extreme Umweltzerstörung in 3. Welt-Ländern eine Idee entwickelten, die Dinge anders zu gestalten, und somit entstand die Idee, dass trendy Streetwear und Ökologiebewusstsein kein Widerspruch sein müssen. Ohne Zeit zu verlieren, starteten sie ihr Unterfangen und schnell entwickelte sich die WG-Küche zu einem Büro … bis sie die “Social Fashion Company GmbH” gründeten und sich ihre Idee zu einem respektablen Unternehmen mit positiven Wachstumsraten entwickelte und mittlerweile von Celebrities wie Collien Fernandes, Cosma Shiva Hagen, Thomas D. usw. unterstützt werden. Mit Collien arbeitet man zurzeit sogar an einer gemeinsamen T-Shirt-Kollektion, die im Herbst veröffentlicht werden soll.
Das Konzept basiert auf ökologischem Anbau der Baumwolle und auf den Prinzipien des Fair Trade(s). Das bedeutet unter anderem, dass in diesem Fall Bauern in Indien unterstützt werden, die organische Anbaumethoden implementieren, sodass wichtiges Grundwasser nicht durch Chemikalien vergiftet wird. Bauern werden ferner nicht ausgebeutet, sondern erhalten mehr als den Mindestlohn, um ihre Familien auch wirklich ernähren zu können.
Dennis Rowehl hat sich für AUTONA mit einem der Geschäftsführer, Martin Höfeler, in den Geschäftsräumen in Köln getroffen, um mehr über das Konzept von „Armed Angels“ in Erfahrung zu bringen:
Autona: Tragbare Streatwear mit nachhaltigem Lebensstil als Unternehmenskonzept. Das bedeutet, dass der Umweltaspekt und eine soziale Komponente eine zentrale Rolle spielen. Dennoch ist es wichtig, mit einem modernen Design dem Zeitgeist zu entsprechen?
Martin Höfeler: Das ist richtig. Ich denke, dass dieses typische Klischee des Ökos nicht funktioniert, schon gar nicht bei jüngeren Leuten. Wenn man ehrlich ist, kaufen ca. 90% unserer Kunden unsere Mode in erster Linie, weil sie ihnen gefällt und die Ware eine hohe Qualität hat. Für den Großteil der Endkunden hat der soziale Aspekt des Fair Trade dann eine Art Mehrwert, weil sie es wie wir für eine gute Sache halten.
Autona: Ihr unterstützt konkret in Indien Bauern, die umweltfreundlichen Baumwollanbau betreiben und den Fair Trade, der gewährleistet, dass die angeschlossenen Bauern besser entlohnt werden als es in 3. Welt-Ländern üblich ist. Kann man als Fair Trade Unternehmen überhaupt sicherstellen, dass dies auch wirklich der Fall ist.
Martin Höfeler: Das kann man. Es wird überwacht, dass die komplette Produktionskette von der Urerzeugung über die Verarbeitung bis zum Verkauf über Unternehmen läuft, die selbst zertifiziert sind. Man kann sich vorstellen, dass es bei Baumwolle noch viel schwieriger zu überwachen ist als beispielsweise bei Kaffee, denn es gibt viel mehr Arbeitsschritte von der Ernte bis zum Verkauf. Dennoch ist jede einzelne Stufe des Produktion- bzw. Verarbeitungsprozesses nachvollziehbar. Wo werden die Sachen wie gefärbt, woher stammt das Garn usw. Im Augenblick gibt es nur einen kleinen Teil der Baumwolle, die weltweit im Rahmen des Fair Trade angebaut und verarbeitet wird. Das liegt natürlich am Preiskampf und als Fair Trade Unternehmen bezahlt man im Einkauf wesentlich höhere Preis, als es im Textilbereich üblich ist, denn in Dritte-Welt-Ländern werden Unmengen Textilien zu Dumpingpreisen hergestellt, wenn man Niedrigstlöhne zahlt, Kinderarbeit in Kauf nimmt und keinerlei Umweltschutzauflagen einhalten muss. Ich selbst war übrigens auch in Indien, um mir einen Eindruck zu machen, wie unsere Baumwolle angebaut wird.
Autona: Wo sind denn eure Produktionsstätten?
Martin Höfeler: Anfangs waren sie auf Mauritius, doch nachdem die Herstellung qualitativ nicht zu unserer Zufriedenheit lief, haben wir den Hersteller gewechselt. Er sitzt aktuell in Portugal und liefert die richtige Qualität. Es gibt zahlreiche Fair Trade Produzenten und wir haben uns von mehreren Muster zuschicken lassen, bis wir beim richtigen gelandet sind. Dadurch, dass Portugal Mitglied der EU ist, sind natürlich einige bürokratische Angelegenheiten auch einfacher.
Autona: Das Unternehmen gibt es noch nicht solange. Wie entwickelte sich der Werdegang seit der Idee?
Martin Höfeler: Nachdem wir die Idee hatten, wurde unsere Küche quasi zum Büro, wir haben unser Geld in Ware investiert und den Gewinn wieder reinvestiert. Aufgrund des geringen Budgets sind wir natürlich schnell an unsere Grenzen gestoßen und haben uns gedacht, dass, wenn wir es machen, wir es auch richtig machen sollten und mit unserer Idee und einem Businessplan haben wir nach Investoren gesucht, mit denen wir letztendlich die Social Fashion Company GmbH gegründet haben. Und mittlerweile läuft es wirklich gut. Wir sind sogar mit dem Gründerpreis von der „Wirtschaftswoche“ ausgezeichnet worden.
Autona: Gab es Situationen, in der ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Martina Höfeler: Nein. Wir haben natürlich als ehemalige Studenten den Vorteil, mit wenig Geld über die Runden zu kommen, da keiner von uns Verpflichtungen hatte. Und somit konnten wir das Unternehmen Schritt für Schritt aufbauen und da wir an unsere Idee geglaubt haben, war Aufgeben nie ein Thema. Ich könnte mir vorstellen, dass es sicherlich schwerer gewesen wäre, Durststrecken zu überbrücken, wenn man sich bereits einen gewissen Lebensstandard erarbeitet hätte. Das Problem hatten wir aber zu keinem Zeitpunkt.
Autona: Ihr lebt hauptsächlich vom Online-Shop. Ist das korrekt?
Martin Höfeler: Der Online-Shop spielt die zentrale Rolle, das ist richtig, aber wir weiten das Ganze auch auf den stationären Handel aus, weil viele Menschen insbesondere im Bekleidungssektor die Ware gern anprobieren. Mittlerweile wird unsere Ware schon in ca. 120 Läden angeboten, dazu gehören exklusive Einzelshops, kleinere Ketten mit drei, vier Filialen, aber auch bereits Peek & Cloppenburg.
Autona: Bisher habt ihr T-Shirts, Sweater, Röcke etc. im Sortiment. Gibt es Pläne einer Sortimentserweiterung?
Martin Höfeler: Wir sind im Augenblick im Basic-Bereich tätig, es kamen schon eine Vielzahl an Nachfragen, ob wir auch Hosen ins Programm aufnehmen, aber jedes Segment hat natürlich ganz eigentümliche Besonderheiten, auch was den jeweiligen Teilmarkt betrifft. Das geht nicht so einfach. Aber wir reagieren darauf, indem wir in Zukunft mit anderen Unternehmen kooperieren und Artikel dieser Unternehmen mit in unser Sortiment aufnehmen. Wir sind zurzeit dabei, eine komplett neue Webpräsenz mit erweitertem Shopsystem aufzubauen. Um ins Sortiment aufgenommen zu werden, muss man natürlich Kriterien entsprechen, die unserer Philosophie entsprechen.
Autona: Du hast gerade von Anfragen gesprochen. Wie tretet ihr mit der Umwelt in Kontakt?
Martin Höfeler: Feedback ist uns sehr wichtig. Wenn uns jemand sagt, ihm gefalle ein Shirt nicht, dann fragen wir nach, warum es ihm oder ihr nicht gefällt. Außerdem haben wir eine Community, in der sich ein Pool aus Designern und Models gebildet hat. Wir arbeiten stark mit Personen aus unserer Community zusammen und gemeinsam entstehen auch die besten Ideen. Wir wollen möglichst viel selbst machen und gestalten und deshalb machen wir die meisten Shootings und Image-Shootings auch selbst mit Models aus unserer Community. Selbstvverständlich buchen wir auch Models, aber das ist auch eine Kostenfrage.
Autona: Ihr scheint schon eine Menge prominenter Fans zu haben? Thomas D., Cosma Shiva hagen, Collien Fernandes, Markus Kavka …
Martin Höfeler: Das ist eine starke Sache für uns. Collien z. B. trägt unsere Sachen auch bei VIVA-Moderationen. Außerdem entwirft sie gerade eine T-Shirt-Kollektion, die wir gemeinsam im Herbst herausbringen werden. Darüber hinaus haben auch schon Sportler bei uns angefragt, ob wir sie nicht ausstatten. In dieser Beziehung wird in Zukunft einiges passieren.
Weitere Infos: www.armedangels.de
© 2009 Dennis Rowehl



