West Coast Customs, Katharina Kuhlmann, Sigrun Brändle, Joe Ponce, Eddie Paul, The Sorrow … von Atem beraubenen Lanschaften bis zum Playboy, von Art bis zu Ads, der in Österreich aufgewachsene Photograph ist in allen Disziplinen zuhause und hat es geschafft, aus allem, was er vor die Linse bekommt, das Besondere und Einzigartige zu erkennen und abzulichten. Dennis Rowehl im Interview mit dem sympathischen und leidenschaftlichen Top-Photographen, der mittlerweile in L.A. lebt:
Autona: Deine Karriere als Fotograf begann bei den Vereinten Nationen im Nahen Osten und mit Sprüngen aus Flugzeugen, wie man Deinem Lebenslauf entnehmen kann. In welchem Alter hast du eigentlich gemerkt, dass Fotografieren deine Leidenschaft ist und ist es dein wahrhafter Traumberuf?
Christian Holzknecht: Ich habe immer schon fotografiert, seit ich 10 Jahre alt war. Mit 16 Jahren habe ich schon in der Badewanne meiner Mutter Schwarzweiß-Bilder entwickelt. Dazumal gab es bei uns in der Umgebung keine Lehrstelle und heute bin ich froh darum. Ich habe meine Fotografie als Assistent in Amerika erlernt und hatte auf diese Art mehrere Lehrmeister und das hat mir extrem viel gebracht. So gesehen war es immer mein Traumberuf, auch wenn ich nicht den normalen Weg zum Ziel gegangen bin.
Autona: Du lebst heute in Los Angeles. Ist dieser Standort von Vorteil, weil eine Menge Kunden und Personen, die zu fotografieren sind, dort ebenfalls ansässig ist bzw. weil die Stadt natürlich immer noch ein besonderes Flair in der Mode-, Musik- und Filmbranche hat?
C.H.: Ich lebe eigentlich in Los Angeles, weil dort immer die Sonne scheint und die Leute einfach super drauf sind. Der Umstand, dass das Land voll ist mit Rock'n'Roll und geilen Autos, hilft natürlich auch dabei. LA ist eine reine Musik- und Filmstadt, dort gibt es keine Modebranche. Zum Glück, meine Fotografie ist ohnehin die People Fotografie und das ist in LA ein super Business.
Autona: Du hast deine Arbeit mit der eines Rock’n’Rollers verglichen … nach außen wirkt alles wie eine große Party, doch ohne Arbeit kommt es nicht zu guten Ergebnissen. Wie hart ist der beruf wirklich bzw. was macht den Beruf des Fotografen anstrengend?
C.H.: Ohne Arbeit geht gar nichts, eh klar. Mit Spaß an der Sache kommt aber dennoch mehr raus, auch wenn diverse "wichtige" Spezialisten von den Werbeagenturen glauben, es besser zu wissen. Das sind sehr oft Wichtigtuer, die nichts können, aber sich am Set und vor dem Kunden wichtig machen müssen um deren Honorare zu rechtfertigen. Immer, wenn wir so etwas merken, schlagen wir dem Kunden eine neue Agentur vor oder trennen uns von dem Kunden. So haben wir auch immer wieder Platz für neue Kunden, was eh viel spannender ist.
Autona: Neben dem Arbeiten mit Personen machst du auch viele Landschaftsaufnahmen. Was ist eine größere Herausforderung?
C.H.: Landschaftsaufnahmen? Du machst wohl Witze (lacht) Nein, ich bin und war immer nur People Fotograf. Was du gesehen hast, sind die Bilder von unserer Reise in einem Landrover um die Welt, die wir vor 2 Jahre angefangen haben. Dort fotografiere ich nur aus der Hüfte mit einer kleinen Ixus. Deshalb machen wir das auch, auf einer solchen Reise, wird alles wieder gut. Da wird der Akku voll und der Kopf leer. Deshalb habe ich da auch keine Kamera mit und machen während der Reisen keine Jobs. Das darf man nicht vermischen, dann bringt das wieder nichts.
Autona: Gibt es auch eine richtig kuriose oder abgefahrene Story, die du bei einem Model-Shooting erlebt hast … und die du auch verraten kannst?
C.H.: Ich habe schon vieles erlebt: Models, die umgefallen sind, weil sie nichts gegessen haben, ein Model aus Deutschland, das sich in Hollywood selbstständig zum Shoppen aufgemacht hat und sich verlaufen hat (lacht) wir mussten sie suchen gehen. Eigentlich ist fast jedes Shooting ein "Kuriosität", aber das ist ja auch das Schöne in der Menschenfotografie. Mich interessiert eigentlich die Fotografie ein Scheiß! Was ich tue, tu ich, um die Menschen zu erfassen.
Autona: Wir haben kürzlich ein Interview mit Katharina Kuhlmann veröffentlicht, zu dem du die Fotos, die im Laufe der Zeit gemacht wurden, beigesteuert hast. Wie ist dein Verhältnis zu ihr? Werdet ihr auch in Zukunft wieder Shootings machen?
C.H.: Mit Kathi habe ich in der Tat ein sehr enges Verhältnis. Wir haben seit ihrem ersten Auftritt auf der Bühne in Friedrichshafen, wo ich noch in der Jury saß, sehr viel zusammen gemacht. Sie hat großes Talent, was einem Fotografen sehr entgegen kommt. Auf mich wirkt sie immer noch sehr inspirierend. Ich denke schon, dass wir wieder mal was machen werden. Aber so Sachen sind wie das Leben, es schreibt sich jeden Tag neu.
Autona: Als angesagter Fotograf hast du eine Vielzahl von bekannten Kunden. Du bist ja gebürtiger Österreicher, den es nach Kalifornien gezogen hat. Gab es mittlerweile auch ein Zusammentreffen mit Arnold Schwarzenegger bzw. wäre eine Fotoserie mit ihm noch etwas, was du unbedingt noch machen möchtest?
C.H.: Den Arni habe ich noch nicht getroffen, obwohl der auch immer mal wieder in LA ist. Derzeit wohnt er ja in Sacramento. Fotografieren würde ich den auf jeden Fall, nicht wegen seiner Berühmtheit, sondern weil er als Mensch "interessant" ist. Ich mache da keinen Unterschied, für mich kann ein Sandler von Venice auch interessant sein. Ich tendiere immer mehr in die Richtung "echte Menschen". Deshalb mag ich das Portraitieren von Musikern so gerne, die sind und wollen echt sein. Nicht wie der ganze verlogene Scheiß in der Werbung.
Autona: Wenn du nicht Fotograf geworden wärest, was hätte die Alternative sein können?
C.H.: Ich könnte alles sein, in der Zeit, als ich als Fotograf nicht genug verdient habe, war ich Türsteher, Barkeeper, Kaminbauer uvm. Mir ist es wurscht, was ich arbeite, solange es mir Spaß macht, passt das schon. Gerade auf meinen Reisen habe ich wieder gesehen, wie scheißegal es ist, was man arbeitet. Menschen in der 1. Welt definieren sich viel zu viel darüber und schauen nur, "was" sie sind und nicht "wer" sie sind. Das Einzige, was am Ende des Lebens zählt, ist, wie viele Tage du glücklich warst .....
© 2009 Dennis Rowehl
Bild von Christian Holzknecht



