Home  »  Reviews  »  Artikel – nickelback - here and now

nickelback - here and now

21. November 2011

nickelback - here and now (roadrunner)

 

Dass Mutt Lange als Produzent beim aktuellen Album nicht am Start war, merkt man bereits bei den ersten Tönen. Eigentlich schade, denn die typischen Def Leppard-Backings und der Countryeinschlag einer Shania Twain vermittelten dem "Dark Horse"-Album einen gewissen Charme. Aber keine Angst! Natürlich ist der Sound auch diesmal wuchtig.

 

Auch das Cover und gesamte Artwork können für den ersten Eindruck absolut überzeugen. Bevor ich mich allerdings der Musik widme, werfe ich die Frage in den Raum, weshalb Nickelback eigentlich so erfolgreich sind? 
Vielleicht liegt es daran, dass das Quartett aus Kanada stammt und somit den Vorteil der unbekümmerten, sympathischen Neutralität für sich in Anspruch nehmen kann. Es gab niemals Skandale oder ähnliches und somit entwickelten sich Chad und seine Nickebacks zu Sympathieträgern ohne irgendwelche Starallüren. Und wenn man dann noch das Gespür für melodiöse Sing-along-Hooklines versprüht und live die nötige Power hat ... dann klappt es auch. Hinzu kommt sicherlich der gewisse Hang zur Tradition, welche allerdings impliziert, dass Veränderungen bzw. vielmehr Überraschungen nicht gut sind. Nickelback spielen Musik für die Massen und erfreuen die Herzen der amerikanischen Trucker etc. bis hin zur "typischen" Büroangestellten.

 
Was einst im Rahmen des Alternative-Rocks begann ist längst eine mainstreamige Finanzmaschinerie geworden. Musikalisch sicherlich bedauerlich, kommerziell betrachtet natürlich nachvollziehbar. "Here and now" - bereits der Titel symbolisiert nicht gerade den Beginn einer neuen Ära - liefert dem Publikum das, was es bereits kennt und vermeidet verwirrende Überraschungen. Auch, wenn der kräftige Sound dem Album die nötige Power verleiht, so fehlte mir die Spritzigkeit von "Dark Horse" und erst recht die Leichtigkeit des "All the right reasons"-Albums. Die 11 Tracks erweichen das einfache Herz mit vielen Balladen und Texten, welche gewöhnliche Probleme des Alltags beschreiben. Mich persönlich erinnert die erste Singleauskopplung "When we stand together" ehrlich gesagt eher an die Bee Gees (You win again) als an die alternativen Wurzeln.

Insgesamt ist alles sehr rund... zu rund, was bereits an Songtiteln wie "Lullaby", "Midnight Quen" oder "Kiss it goodbye" zu erkennen ist. Während ich hier rezensiere, geht das Album die Verkäufe betreffend in den Staaten und auch in Deutschland steil bergauf... und somit kann den Jungs mein Wunsch nach mehr musikalischen Raffinessen so ziemlich egal sein, denn der Durchschnittshörer will auch durchschnittliche Musik ... und davon gibt es bei "Here and now" reichlich. Dass die Songs natürlich erstklassig in Szene gesetzt worden sind, das ist unumstritten und der sechste Sinn für potentielle Hits ist bei Chad auch noch verfeinert worden.

 

Fazit: Im Gegensatz zu den beiden bereits genannten Alben fand ich das neue Album etwas enttäuschend, aber andererseits schafften es die Kanadier nun auch ins deutsche Mainstream-Radio und da höre ich doch lieber (musikalisch abgespeckte) Nickelback als die herkömmliche Lullibulli-Musik, die da sonst so gespielt wird. (3/5)

 

review by dennis rowehl